Herr Weckmüller knattert voran. "Beine hoch!", schreit er noch, dann jagt er sein rotes Geschoss durch den aufspritzenden Hahnenbach. Ich sause hinterher, lasse die Beine unten, werde pitschnass, jauchze und lache, das Fahrzeug krabbelt am anderen Ufer die Böschung hoch, bäumt sich auf, kraxelt über einen Felsbrocken und rollt auf einer Heuwiese aus. Männerspaß, hundert Prozent. Wir wenden – und noch mal geht es durch die Suppe.

Gerd Weckmüller ist mehreres zugleich. Einmal gehört ihm das Silence-Hotel Forellenhof in Rudolfshaus bei Kirn an der Nahe im Hunsrück, ein Haus, das so weit vom Schuss ist, dass es dem Handybesitzer sogar das mittlerweile rare Erlebnis eines Funklochs bietet. Dann ist Weckmüller ein vom Gault Millau gelobter Koch (13 von 20 Punkten, "sehr gute Küche"), er hat im Baiersbronner Bareiss und bei Johann Lafer gelernt. Er ist weiterhin Bauer, Jäger und Forellenzüchter, Pilz- und Bärlauchsammler, Whisky-Kenner (700 Flaschen, 120 davon stets im Anbruch). Und eben Männerversteher. Das heißt: Wenn man ein paar Freunde mitbringt, das nötige Kleingeld hat, ein freies Wochenende und Lust, einmal auf hohem Niveau die Sau rauszulassen, ist man hier richtig.

Quad fahren, das ist so ein Ding für Kerle. Die vierrädrigen Miniautos mit den dicken Reifen, die man wie ein Motorrad reitet, waren ursprünglich Nutzfahrzeuge für schwer zugängliches und steiles Gelände. Heute boomen sie hierzulande gleich doppelt. Die kleinen, seit man sie schon ab 16 mit Führerschein S fahren darf, als Vorform eines Autos. Die großen in Wald und Flur als Offroad-Funmobil. In einer Staubwolke jagen wir unsere Quads einen steilen Waldweg hoch. Querrinnen sind kein Anlass, langsam zu fahren, im Gegenteil: Vollgas! Erst wenn die Räder abheben, ist der Spaß perfekt. Der Wald öffnet sich zum Hahnenbachtal. Vor uns erheben sich die Ruinen einer der bedeutendsten Burgen des Hunsrücks, der Schmidtburg, auf der sich vor dreihundert Jahren der Räuber Schinderhannes ein halbes Jahr lang versteckt hat.

Eigentlich ist der Forellenhof eine normale Ausflugsgaststätte mit Hotel dabei, nur besonders abgelegen. Wildschwein und Fischreiher sagen sich hier gute Nacht. Und am Tage wird das Murmeln der Kaffeegäste auf der markisenüberdeckten Terrasse am Teich leicht vom Platschen der springenden Weißfische übertönt. Doch sauberes, ruhiges Hotel plus gute Küche garantieren im Hunsrück noch nicht den Erfolg. Vergleichbare Betriebe sterben. Weckmüller hat dieses Rezept: "Man muss sich bewegen." Er hat sich mit einem Partner zusammengetan, welcher Spaß und Abenteuer für verdiente Firmenmitarbeiter organisiert, und seitdem starten vom Silence-Hotel aus Aktivitäten, die nicht unbedingt mit Ruhe zu tun haben: Trabi und Trecker fahren, ein Nachmittag auf dem Bagger, Jeeptouren, und wenn am Nürburgring was los ist, wird sogar ein Helikopter-Shuttle-Service angeboten. Der Individualreisende profitiert bei Bedarf von Weckmüllers Know-how. Mein Traumprogramm sähe so aus: Quad fahren, dann Menü mit geräucherter Lachsforelle, Brennnesselschaum, Praline von der Forelle und Rehrücken, später Baggern für Anfänger. Danach angeln, die Beute in die Küche tragen, um sie zubereiten zu lassen und alsbald zu verputzen. Und schließlich Tipi-Camp am Bach, Feldbett. Ginge das? "Ich mache fast alle Schandtaten mit", sagt der Chef.

Mit Juchhe scheuchen wir die Quads talwärts bis zur Notbremsung: Wanderer! Erstes Gesetz beim Quadfahren im Wald: Wanderers Gefühle achten. Weil wir langsam an den Naturfreunden vorbeifahren, sehen wir den Groll in ihren Blicken. Sogar geballte Fäuste. Doch Weckmüller tröstet mich. Sein Rundkurs, erklärt er, sei mit den gefürchteten Aktivisten von der Schutzgemeinschaft Hahnenbachtal, die schon einen Stausee verhindert haben, abgesprochen. Wenn das die Wanderer nicht wissen, sind sie selbst schuld, es stand in der Zeitung. Mit Topspeed geht es über eine gemähte Wiese weiter. Und, ah, da ist wieder die Bachdurchfahrt!

Weckmüller deutet auf die Wiesen am Teich. Da könnte ein Stück betrieblicher Zukunftssicherung liegen. Er denkt an einen Kunstsandstrand am Ufer, an Saunas, Beach-Feeling, kurz: Wellness. Bloß keinen Trend verschlafen! Bewegen! Wandern, weiß Weckmüller, ist auch in. Also bastelt er am Angebot "Wandern mit GPS". Man kriegt einen Rucksack mit Lunchpaket, dazu Trekkingstöcke und ein Navigationsgerät. Wird irgendwo ausgesetzt. Und wandert, im Idealfall immer bergab, satellitengeführt zum Forellenhof zurück. Bei Regen wird ein Poncho gestellt.

Heute regnet es nicht. Das ist schön, bedeutet aber auch, dass fehlt, was unverzichtbar zum Outdoorspaß gehört: Dreck! Man muss sich einsauen können. Wir knattern über öffentliche Straßen zu einem stillgelegten Schieferbruch. Hier wurde mit Flatterband ein abenteuerlicher Parcours abgesteckt, wie man ihn von den Weltmeisterschaften im Motocross kennt. Irrwitzige Steigungen, gähnende Löcher, unfassbar spitze Kehren und die Hauptsache: Staub. Nach wenigen Runden sind wir und die Quads nicht mehr wiederzuerkennen, Steinmehl knirscht zwischen den Zähnen, und das Glück ist perfekt. Das Glück heißt in diesem Fall: duschen, wenn es sich lohnt.

Die perfekte Abrundung eines solchen "Vater"-Tages ist die von Weckmüller angebotene Whisky-Verkostung. Der Spezialist präsentiert dabei ein paar seiner edlen Tropfen in dramaturgisch optimierter Abfolge. Thema heute: schottische Erzeugnisse. Weckmüller führt mich vom seichten, im Bourbonfass gereiften 12-jährigen Strathmill über einen großartigen Glenmorangie und einen 14-jährigen Macallan bis zum umwerfenden, schwer torfrauchigen Ardbeg von der Isle of Islay: erst 10 Jahre alt und schon eine Sensation. Ein Stunden dauerndes, großartiges Vergnügen, das nicht nur mit Geschmack zu tun hat. Auch mit Geschichten von Destillerien und Blendmastern, falschen Etiketten und original Rommel-Whisky, von raren und ebenso untrinkbaren Tropfen aus dem Irak oder Tahiti. Von so teuren Flaschen, dass sie bis zum Jüngsten Tag nicht geöffnet werden.