Stuttgart

Seit sechs Jahren wirbt das Land Baden-Württemberg bundesweit mit einer Imagekampagne um Sympathie. Da öffnet ein schwäbischer Winzer im Fernsehspot zwischen sattgrünen Reben freudig sein Herz, dann wieder kommt in großformatigen Zeitungsanzeigen der Dichter Schiller zu Ehren. Bei den renommierten Werbeleuten von Scholz & Friends schien die Imagepflege des Landes in guten Händen zu sein, zumal der Name der Agentur ja aufs Schönste zum Motto der Kampagne passt: Wir können alles. Außer Hochdeutsch.

Werben können Scholz & Friends - über die Jahre wurde die Landeswerbung mit allerlei Fachpreisen ausgezeichnet. Nur im Ländle selbst wächst das Unbehagen. Zeitungsleser wundern sich darüber, was sie neuerdings über ihre Heimat lesen müssen. Mal heißt es, der höchste Berg des Landes, der Feldberg im Schwarzwald, sei 1100 Meter hoch, nicht 1492 Meter, wie man bislang angenommen hatte. Mal rühmte eine Anzeigenseite mit dem Titel Die Ulmer. Eine Erfinderfamilie das Lebenswerk des Unternehmers Robert Bosch, von dem sich mancherlei Verdienstvolles berichten lässt, nur nicht, dass er aus Ulm stamme.

Den größten Wirbel verursachten Zeitungsanzeigen zum Jubiläumsjahr des Physikgenies Albert Einstein, die dessen Werk erläutern sollten. Doch statt Einsteins spezieller Relativitätstheorie wurde dort eine relativ spezielle Theorie des Landes Baden-Württemberg vorgestellt: Je schneller sich etwas bewegt, desto langsamer vergeht dort die Zeit. Wenn Sie diese Anzeige also im Zug oder Flugzeug lesen, sind Sie früher damit fertig.

Das skeptische Urteil einiger Experten hätte Scholz und Freunden zur Warnung dienen können. Stattdessen ermunterte es die Werbeleute zu folgenden Zeilen: Je höher sie sich befinden, desto schneller vergeht die Zeit, eine Beobachtung, die nur unter einer ganzen Reihe von Voraussetzungen zutrifft und zudem noch etwas unvermittelt mit dem Vorschlag verbunden wurde, doch einmal den Feldberg (siehe oben) zu besteigen.

In der kleinen, aber einflussreichen Gemeinde der Physikgelehrten riefen die neuen Einstein-Interpretationen des Landes beträchtliches Aufsehen und nicht geringen Unmut hervor. Extrem peinlich nannte sie der Tübinger Astrophysiker Hanns Ruder.

Vergangene Woche war Ministerpräsident Günter Oettinger (CDU), der die Imagekampagne von seinem Amtsvorgänger Erwin Teufel geerbt hatte, den Strom der E-Mails und Spottbriefe leid. Zwar hatte die Kampagne erklärtermaßen dem Ziel dienen sollen, das Streberimage des Landes abzuschütteln. Lächerlich machen wollte man sich aber nicht. Am Mittwoch bestellte er die Werbeagentur zum Rapport.