Man glaubt es kaum: Dieser kleine Roman aus Schweden, aus dem Jahr 1839, hat mehr literarische und politische Sprengkraft, von seinem poetischen Zauber ganz abgesehen, als fast alles, was in den letzten Jahren unserer Gegenwart erschienen ist.

1839: Da dichtet man in Deutschland von Blümelein und Mägdelein. Eichendorff, von Platen, die Droste, Heine - das sind die Dichter der Stunde. Doch in Schweden sitzt ein realistisch-gesellschaftskritischer Erzähler. Der kämpft - für die Freiheit der Frau. Seine Titelheldin - ja, Heldin - die Handwerkerstochter Sara, lässt er sagen: Ich werde mich behaupten, wie ich bin ... Wenn du mich von ganzem Herzen liebst, bin ich froh und habe das, worauf es ankommt. Für alles übrige werde ich selbst sorgen ... Ich bin frei wie ein Vogel, und du kannst sicher sein, dass ich meine Flügel für immer behalten werde.

Skandal! Der Erzähler dieser wunderbaren Liebes- als Emanzipationsgeschichte muss emigrieren. Carl Jonas Love Almquist (1793 bis 1866) lässt das junge Paar in seiner Erzählung Die Woche mit Sara (Goya LIT, Hamburg, 2 CDs, 120 Min., 17,95 e) auf einem Liniendampfer über den Mälarsee zusammen treffen.

Sara, 24 Jahre alt, begegnet dem gleichaltrigen Offizier Albert. Die junge Unternehmerin ist auf der Heimfahrt von einer Geschäftsreise, die sie nach Stockholm führte, in ihr Provinzstädtchen, wo sie erfolgreich den Glaserbetrieb des verstorbenen Vaters führt. Albert ist auf dem Weg nach Südschweden, um Familienbetriebe zu inspizieren.

Es geschieht, was sein soll, wenn junge Leute einander mögen - aber anders als gewohnt. Den kleinen Ring, den sie eben noch wollte, wirft Sara über Bord. Schmuckstück? Nein: Fessel. Die kleine Mahlzeit, die sie bei einem Aufenthalt des Dampfers verzehren, bezahlt Sara, eingeladen, selbst. Als sie übernachten müssen und nur noch ein Zimmer frei ist, sagt die kecke Sara: Du musst doch nicht in der kalten Kutsche draußen sitzen. Wenn du hier bleibst, es würde wirklich nichts bedeuten.

Nichts bedeuten! Albert wird immer saurer auf diese Frau, deren Zauber er erliegt. Eine Liebes- als Trennungs-, als große Liebesgeschichte: Jona Mues liest dieses Herz-Märchen mit der hellen und nüchternen Stimme, die ein so träumerisches Märchen braucht.