Dank einer soeben erschienenen Biografie wissen wir, welche Gerichte die wahrscheinlich bald amtierende Kanzlerin ihrem Mann am liebsten kocht: Rouladen, Eintöpfe, Schnitzel. Aus der Tatsache, dass sie diese Details ihres ansonsten so geschützten Ehelebens preisgibt, lässt sich schließen, dass sie zuvor die Wirkung berechnet hat. Angela Merkel distanziert sich mit ihrem Lieblingsessen von dem des Durchschnittsdeutschen, der traditionelle deutsche Hausmannskost, bestehend aus Fleisch, Kartoffeln, Gemüse, kaum noch verzehrt – anders als Schröder, der mit Nudeln und Currywurst den Geschmack seiner Wähler traf. Wenn Angela Merkel dennoch den Eintopf ihr Leibgericht nennt, ist darin ihr unbedingter Wille zu erkennen, als heimatverbunden zu gelten, als eine, die Deutschland in den Mittelpunkt ihrer Politik stellt. Angela Merkel will sagen: Keine Experimente! Auch die Kohlroulade hat sich bewährt, und Merkel möchte ihr Image als Optimistin pflegen, die Fleisch isst, statt davor zu warnen, nur weil Tiere dabei umkommen oder Hirnkrankheiten drohen. Wer kräftig reinhauen kann, so die Küchenpsychologie, kann auch zulangen, der packt das. Nur dauert die Zubereitung der Roulade etwa 70 Minuten, das Aufessen nicht mitgerechnet. Eine Currywurst dagegen lässt sich binnen weniger Minuten verdrücken. Wenn bei Merkels Rouladentag ist, wird Deutschland geschätzte zwei Stunden lang nicht regiert.

Matthias Stolz