Das Landgericht Verden hat den Programmierer der Internetwürmer "Sasser" und "Netsky" zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt. Die Richter befanden den 19 Jahre alten Angeklagten aus dem niedersächsischen Waffensen der Datenveränderung in vier Fällen und der Computersabotage in drei Fällen für schuldig. Die Strafe wird zur Bewährung ausgesetzt, sagte eine Sprecherin des Landgerichts am Freitag nach der Urteilsverkündung.Mit dem Urteil folgten die Richter dem Antrag des Staatsanwaltes nicht. Der Staatsanwalt Lutz Gaebel hatte plädiert, der junge Mann solle eine zweijährige Jugendstrafe verbüßen und 200 Sozialstunden leisten. "Die Schwere der Schuld liegt hier vor, weil der Angeklagte seine Fähigkeiten falsch eingesetzt hat. Er ist auf dem Gebiet der Programmierung durchaus begabt, hat sich aber fehlleiten lassen" erklärte gestern die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Silke Streichsbier. Der Hobby-Programmierer habe erst mit dem Verbreiten der Würmer aufgehört, "als das Landeskriminalamt kam". Jedoch begründete sie den Antrag auf Bewährung mit der "sehr guten Entwicklung", die der 19-Jährige in der Vergangenheit genommen habe. "Würde man ihn einsperren, würde das alles wieder zunichte gemacht. Er hat eine Arbeit und eine Freundin - alles, was man braucht, um ein vernünftiges Leben aufzubauen", erläuterte Streichsbier.Die Verteidigung hatte dem Antrag auf gemeinnützige Arbeit und Gefängnisstrafe gefolgt, allerdings mit höchstens einem Jahr auf Bewährung.Dem Wurm-Entwickler wurde vorgeworfen, mit der Verbreitung der Computerschädlinge im Internet im Mai 2004 weltweit tausende Computer zum Absturz gebracht zu haben. Experten schätzen den entstandenen Schaden auf mehrere Millionen Euro. Der Angeklagte hatte die Taten gestanden.Da es im Jugendstrafrecht mehr um Erziehung und nicht so sehr um Bestrafung geht, sind erzieherische Maßnahmen, die das Gericht verhängt, nicht anfechtbar, sagte weiter Streichsbier. Anders sieht es aus, wenn eine Jugendstrafe verhängt wird. Dann hat der Betroffene das Recht, binnen einer Woche nach Urteilsverkündung Revision einzulegen. "Wir erwarten aber nicht, dass die Verteidigung bei einem Schuldspruch Revision einlegt", fügte Streichsbier hinzu. Schließlich habe der junge Mann die Taten gestanden und auch Reue gezeigt.Der Computerfreak sitzt laut Anklageschrift wegen Datenveränderung in acht Fällen, Computersabotage und Störung öffentlicher Betriebe auf der Anklagebank. Da er zur Tatzeit erst 17 Jahre alt war, findet das Verfahren nach dem Jugendstrafrecht ohne Öffentlichkeit statt.