Dortmund ist eine seltsame Stadt. Da hat es, wie in der SZ zu lesen, Stefan Reinke, Mitherausgeber von Schwatzgelb.de, ins gelobte Bayernland mit seiner Hauptstadt München geschafft, man gratuliert seiner Frau, dass sie dem Ruhrpott entronnen sei, und trotzdem träumen beide nur von der Rückkehr nach Hause. Und vom BVB. Nach drei Jahren ist die Zeit des bayerischen Exils schließlich beendet. Als man für Karl-Heinz Riedle & Co. 40 Millionen Mark Ablösesumme auszugeben bereit war, sagte ein Fan: "Lieber mit Riedle arbeitslos als ohne." Womit ich nahtlos beim Schach wäre.

Auch das Sparkassen Chess Meeting, welches in diesem Jahr schon zum 33. Mal ausgetragen wird, ist seit langem ein fester Bestandteil des Dortmunder Kulturkanons geworden, zu dem auch aus der Ferne ein Bundesinnenminister Otto Schily, ein Ministerpräsident Peer Steinbrück, die Box-Brüder Klitschko und so weiter pilgern. Nicht (nur) in offizieller Funktion, sondern als Liebhaber des Schachs und der ganz besonderen Dortmunder Atmosphäre im Schauspielhaus, wenn man die Weltelite auf der Bühne unmittelbar sieht und wilde Zeitnotgefechte miterleben kann, bei denen selbst diese Groß- und Weltmeister schon einmal wie ganz normale (Schach)Sterbliche patzen. Dazu live alle Partien auf einem Riesenbildschirm über den Akteuren. Bürgermeisterin Marianne Wendzinski stolz (und wahr): "Dortmund ist dem übrigen Deutschland schachlich voraus."

Die zehn Spieler in diesem Jahr (zu sehen im WDR-Fernsehen am 11. und 18. Juli spätabends, mit Wiederholung am nächsten Vormittag) reichen vom aktuellen Weltmeister Wladimir Kramnik (Russland) bis zur großen deutschen Nachwuchshoffnung, dem 19-jährigen Dortmunder Arkadi Naiditsch, der bereits letztes Jahr für Furore sorgte. Auch dabei sind der aktuelle Vizeweltmeister Peter Leko (Ungarn) und der mehrfache russische Meister Peter Swidler.

Beim Schnellschachturnier kürzlich in Monaco verlor Leko als Weißer nach 1.Tf2 e3 2.dxe3 Dxe3 3.Kh1 Dxa7 4.Lxh3 Txb5 schließlich gegen Swidler – beide spielten dabei obendrein noch "blind", also ohne Ansicht des Bretts. Sehen Sie, mit welch fantastischem Zug Leko stattdessen ein Matt in drei Zügen hätte erzwingen können?

Helmut Pfleger

Auflösung aus Nr. 27:

Wie hätte Weiß – in der Variation eines berühmten Motivs – in vier Zügen matt setzen können? Nach dem Damenopfer 1.Dg8+!! erleidet der schwarze König zwangsläufig ein "ersticktes Matt": 1…Txg8 2.Sg6+ Kh7 3.Se5+ (Abzugsschach des Läufers d3) Kh8 4.Sf7 matt