Der Tag, an dem ich Boris Becker vor meinen Eltern im Schrank versteckte, hätte mir zu denken geben sollen. Natürlich, ich war minderjährig, 14 Jahre, und hatte allen Grund, meine Liebe vor den Eltern geheim zu halten. Aber das hat mich eigentlich danach, als die Sache mit Boris beendet war, auch nie davon abgehalten, mich mit meinen Freunden außerhalb meines Schrankes zu treffen. Aber das vorsichtig aus der verbotenen Bravo herausoperierte Boris-Poster hat es nie aus meinem Schrank hinaus geschafft. Noch nicht mal, als er Wimbledon gewann.

Die Gefahr, die diese tägliche Becker-Dosis hatte, habe ich jedoch gewaltig unterschätzt. Einige Monate später, da waren Boris' Schürfwunden von seinen vielen Hechtrollen schon längst verheilt, sah ich mich plötzlich das Passbild meines neuen blassen, rothaarigen Freundes in mein Tagebuch kleben. Der Bruder einer Klassenkameradin. Hammer, oder?, fragte ich meine Freundin, die nur angewidert das Gesicht verzog. Ich malte ein paar bunte Girlanden drum und fand ihn noch schöner. Danach folgte ein weiterer blasser Rothaariger.

Mit meiner Freundin habe ich dieses Thema nicht mehr diskutiert, aber als man ihm aus dem Bus plötzlich Duracell mit dem Kupferkopf! nachrief, hab ich mich am Kopf gekratzt und doch mal versucht, ohne das Poster in meinem Schrank zu leben. Und langsam, ganz langsam hat sich meine pubertäre Farbenlehre wieder dem europäischen Durchschnittsjungen angenähert.