Es ist wie Madrid, und doch ganz anders, denn heute wird, anders als bei den Bombenanschlägen vom 11. März 2004, niemand mehr einen Gedanken daran verschwenden, es könnte sich um Regionalterroristen, im britischen Fall also um die IRA handeln. Nein, derart hemmungslos, das ist mittlerweile klar, bombt nur al-Qaida.Aus der Perspektive der Terroristen waren Ort und Zeit der Anschläge ideal gewählt. Wegen des G8-Gipfels in Gleneagles hatten die britischen Sicherheitskräfte London vorübergehend den Rücken zugewandt. Und doch ruhten die Augen der Welt auf der Insel. Gestern noch gingen die Bilder von jubelnden britischen Olympiafans auf dem Trafalgar-Square um die Welt. Heute versetzt al-Qaida die Nation in geschocktes Schweigen. Aber, natürlich, nicht nur Großbritannien ist getroffen.Es ist Ferienzeit. Unter den Toten und Verletzten werden wohl auch Touristen sein: Das trägt die Terrorwelle in andere Länder außer England. Und schon fragen sich in Berlin und Paris die Regierenden: Wann sind wir dran? Nach Istanbul und Madrid kommt mit London eine schreckliche Ahnung auf: al-Qaida will Europas Städte abhaken. Eine nach der anderen. Das mag dauern. Aber es geschieht.Besonders erschreckend ist, welch offenkundig aufwändige Planung die Terroristen an den Augen und Ohren der Sicherheitsbehörden vorbei betreiben konnten. Trotz der besonders scharfen britischen Antiterrorgesetze, trotz eines eigenen, kleinen Gefängnisses à la Guantanamo, trotz großflächiger Videoüberwachung schafften es die Mörder, gleich mehrmals zuzuschlagen.Natürlich hatten die Geheimdienste die üblichen Verdächtigen in den einschlägigen Milieus "Londonistans" schon seit einiger Zeit im Visier. Auch der deutsche Verfassungsschutz überwacht etwa 300 so genannte Gefährder, und zwar fast rund um die Uhr. Dass es den Terroristen trotzdem gelang, unbemerkt zu bleiben, könnte bedeuten, dass sie bisher eben keiner kannte. Wo aber eine "junge Zelle" ist, da könnten leicht noch viele andere sein, von denen bisher niemand etwas weiß.Was in London geschah, scheint damit eine Wandlung des Terrornetzwerks zu bestätigen, vor der Terrorismusexperten schon lange warnen: al-Qaida ist keine Organisation mehr, sie ist eine Bewegung. Und es dürften nicht die Afghanistan-Veteranen sein, die die jüngsten Bomben legten. Eher eine neue Generation. Auch einen Namen gibt für sie schon in der Szene: Instant-Dschihadisten.