Ein leiseres Nein zum Irak-Krieg? Vielleicht. Mir hat das laute Nein gefallen. Was mir fehlte, waren Alternativen zum Krieg.

Die Ausrichtung hin zu Frankreich fand ich ebenfalls richtig. Am Anfang waren Chirac und Schröder ja nicht gerade Freunde, und die Presse kritisierte lange und ausgiebig, dass der Motor der EU deshalb ins Stocken geraten war. Also war es nur konsequent, sich wieder dem Nachbarn zuzuwenden. Dass es nun so gekommen ist, wie es kam, war nicht absehbar. Großbritannien mit seiner proamerikanischen Politik war wohl nicht angeraten, ebenso wenig Spanien unter Aznar. Und Italien? Mir hat gefallen, dass verstärkt Treffen zwischen Frankreich, Deutschland und Polen iniziiert wurden.

Eine deutliche außenpolitische Richtung vermisse ich allerdings auch, aber: Vielleicht ist diese nicht mehr zu haben. Einfache, deutliche Lösungen hätten wir vielleicht alle gern. Aber sie erschrecken mich auch. Und bei aller Kritik: Wo wären wir jetzt unter einer CDU-geführten Regierung? Womöglich doch mit deutschen Soldaten im Irak vertreten, oder? Und: Wo steht denn die zurzeit viel umjubelte Opposition? Es erschreckt mich, wie die Wähler und Wählerinnen in Deutschland, zum großen Teil unterstützt von den Medien, in Scharen zu Parteien hinlaufen, die meiner Meinung nach einzig und allein von der Schwäche der SPD profitieren, aber ich erkenne weder ein gelungenes innen- noch außenpolitisches Konzept der derzeitigen Oppositionsparteien.

ANDREAS KRINGE, RIO DE JANEIRO, BRASILIEN

Der europäische Motor hat sich überhitzt und damit auch das an ihn gekoppelte außenpolitische Konzept der rot-grünen Regierung. Die Idee, gestaltungsunfähige internationale Institutionen durch eine eigene europäische Initiative zu umgehen, und die Betonung multilateraler Bindungen ist eine Vision geblieben. Dem transatlantischen Partner die Stirn zu bieten (Wirtschaftsspionage, Landminen, Kyoto-Protokoll, Strafgerichtshof ...)

und dafür als Vorreiter multipolarer Mächteverhältnisse in den Sicherheitsrat einzuziehen war hoch gepokert und wäre im Falle innereuropäischer Geschlossenheit als stimmig gewertet worden. Insofern ist die Art und Weise der von Ihnen beschriebenen Kanzlerpolitik kaum zu verstehen.

Ich bin sehr gespannt, ob derartig kühne Entwürfe (Beispiel Fischers Humboldt-Rede) von einer anders zusammengesetzten Regierung zu erwarten sind oder das Mantra der interessanten außenpolitischen Philosophie wieder außerhalb von Berlin angestimmt wird.