In einem schwer bewachten Gerichtsgebäude in Amsterdam beginnt an diesem Montag der Prozess um den barbarischen Mord an dem niederländischen Regisseur Theo van Gogh. Der Filmemacher war am 2. November 2004 auf offener Straße in Amsterdam niedergeschossen und erstochen worden.

Als Mörder angeklagt ist der 26-jährige Mohammed B., dessen voller Name nach niederländischem Recht nicht veröffentlicht werden darf. Er ist niederländischer Staatsbürger marokkanischer Herkunft und hat die Tat gestanden. Das Tatmotiv sehen die Ankläger in seiner radikalen islamistischen Gesinnung. Außer dem Mord an dem populistischen Parteiführer Pim Fortuyn im Mai 2002 hat keine Bluttat die Niederlande so erschüttert wie dieser kaltblütige Mord.

An jenem kühlen Novembermorgen schießt der Täter van Gogh von seinem Fahrrad aus auf den Regisseur. Der kann, bereits getroffen, auf die andere Straßenseite flüchten. Dort bricht er zusammen, fleht um Gnade, doch der Täter feuert aus kürzester Entfernung weiter. Dann ergreift Mohammed B. - "in aller Ruhe", wie Zeugen berichten - ein großes Messer und schneidet damit die Kehle des Schwerverletzten durch. Er rammt ihm das große Messer in den Leib, zückt ein kleineres Messer und fixiert damit einen Drohbrief gegen andere prominente Islamkritiker auf dem Körper des Getöteten. Nach einer wilden Schießerei mit der Polizei wird Mohammed B. überwältigt. Seitdem schweigt er. Der Prozess kann bis Mittwoch dauern, ein Urteil wird dann aber noch nicht gesprochen werden.

Van Gogh war nicht irgendein Kritiker des Islam. Mit der anti-islamischen Frauenrechtlerin Ayaan Hirsi Ali hatte er gerade einen Film über die Unterdrückung der Frauen im Islam gemacht. Auch sie, eine Parlamentsabgeordnete, wird mit dem Tod bedroht. Van Gogh hatte Muslime mit Schimpfnamen belegt und die Provokation gesucht. Äußerst geschmacklose Bemerkungen über Juden hatten ihm den Vorwurf des Antisemitismus eingetragen. Für viele Niederländer, auch für Ministerpräsident Jan Peter Balkenende, war er gleichwohl "ein Vorkämpfer des freien Wortes".

Seine erbarmungslose Ermordung erschwert bis heute das schon lange nicht mehr spannungsfreie Nebeneinander der Niederländer und ihrer großen muslimischen Minderheit. Anschläge auf islamische Einrichtungen wurden verübt. Gesetze wurden verschärft, Kritiker fürchten um den Rechtsstaat. Die Fahnder gehen davon aus, dass Mohammed B. mit einem großen und gefährlichen Terrornetz todeswütiger Islamisten verknüpft ist - der so genannten Hofstadgroup. Darauf deuten Entdeckungen bei Hausdurchsuchungen in Verbindung mit etlichen Festnahmen hin.

Gefunden wurden Bilder und Filme von grauenhaften Abschlachtungen von Menschen, Anleitungen für Enthauptungen, religiöse Hetzschriften und Drohungen gegen Politiker. Anklagen der Staatsanwaltschaft gegen mögliche Helfer von Mohammed B. stehen bevor. Doch bestehen Gerichte auf genauem Schuldnachweis. So wurde kürzlich Samir A. freigesprochen, bei dem Waffenzubehör, Grundrisse öffentlicher Einrichtungen und Hetzschriften gefunden worden waren. Ohne Zweifel habe er eine Straftat vorbereitet, erkannte das Gericht. Doch die Staatsanwaltschaft habe nicht nachweisen können, worum es konkret gegangen sei.