Wie kommt ein Wort ins Wörterbuch? Welche Wörter sind gebräuchlich und welcher bedient sich heutzutage kein Mensch mehr? Und ist der Satz von Verona Pooth (geborene Feldbusch) "Hier werden Sie geholfen?" im neuen "Zitateduden" nun enthalten oder nicht? All dies und noch viel mehr können Kids heute von 16 bis 17 Uhr auf KinderCampus.de Dr. Kathrin Kunkel-Razum fragen. Anlässlich des 125. Geburtstags des berühmten Nachschlagewerks wird sie als Mitglied des Wissenschaftlichen Rats der Dudenredaktion und damit als Beraterin bei der Konzeption und Durchführung diverser Dudenwerke im KinderCampus.de-Starchat den Fragen der Kinder Rede und Antwort stehen.KinderCampus.de (KC) plauderte schon vorab ein wenig mit der gebürtigen Potsdamerin:KC: Gibt es ein Wort, das Sie besonders mögen, und wenn ja, warum? KR: Mir gefällt das Wort "Schwimmnudel". Das sind lange Kunststoffstangen, mit denen Kinder im Wasser spielen oder schwimmen lernen können. Wenn ich das Wort höre oder lese, muss ich jedes Mal lachen. Außerdem frage ich mich immer, ob Nudeln schwimmen können (roh oder gekocht? Wahrscheinlich sollte ich das mal ausprobieren) oder ob man mit Nudeln wirklich schwimmen lernen kann. KC: Und welches Wort finden Sie schrecklich? KR: Ganz furchtbar finde ich, dass manche Wörter für alles und jedes benutzt werden und am Ende eigentlich gar nichts mehr sagen. Ein Beispiel dafür ist "faszinierend". Das ist ein sehr schönes Wort, es klingt so schön, es wird aber heute häufig benutzt, ohne dass man darüber nachdenkt. KC: Was tun Sie, um immer auf dem neuesten Stand zu bleiben, welche Wörter tatsächlich im Volksmund gebraucht werden? KR: Viele Zeitungen und Zeitschriften lesen, im Internet surfen, Leuten zuhören und natürlich in der Redaktion die neuesten technischen Hilfsmittel nutzen, z. B. Korpora, das sind ganz große Mengen elektronisch aufbereiteter Texte. KC: Stimmt es, dass im neuen "Duden" auch umgangssprachliche Sätze wie "Hier werden Sie geholfen!" (Verona Pooth) enthalten sind, oder ist das nur ein Gerücht? KR: Im "Duden - Die deutsche Rechtschreibung" steht dieser Satz nicht drin, weil in diesem Werk keine Sätze, sondern im Prinzip nur Einzelwörter verzeichnet werden. Für unseren "Zitateduden" (Band 12) war dieser Satz ein Aufnahmekandidat, er hat es aber zu guter Letzt doch nicht geschafft. Man findet dort jetzt aber zum Beispiel den Satz von Giovanni Trappatoni (Fußballtrainer vom VfB Stuttgart) "Ich habe fertig". KC: Welche Wörter, die Kinder und Jugendliche gern benutzen, wie zum Beispiel "Chat", "Handy" oder "SMS", sind im nächsten Duden enthalten? KR: Im letzten Rechtschreibduden vom Sommer 2004 waren z. B. "chatten", "casten" und die "Flipflops" neu. Über den nächsten Duden kann ich jetzt noch nicht so viel sagen, für ihn beobachten wir die Sprachentwicklung weiterhin. Auf der Kandidatenliste steht aber beispielsweise die "Internettelefonie". KC: Und wie bereiten Sie sich auf den Chat auf KinderCampus.de vor? KR: Ehrlich gesagt habe ich noch nie gechattet. Ich lerne jetzt also viel bei dieser Aktion. Zur Vorbereitung übe ich fleißig, schnell zu tippen, ohne mich zu vertippen, denn was von Duden kommt, muss unbedingt richtig geschrieben sein. Und außerdem überlege ich, wie man unsere Arbeit Kindern am besten erklären kann. Ein wenig Übung habe ich da natürlich schon, denn mein Sohn Jordi fragt ja auch öfter, was ich den ganzen Tag über in meinem Büro mache und wie ein Wort in den Duden kommt. Das Interview führte die Cobra.Youth Communications GmbH, 2005