Die Bombenattentäter von London sind höchstwahrscheinlich bei ihrer Tat ums Leben gekommen. Dies sagten Sprecher von Scotland Yard am Dienstag in London und bestätigte damit Medienberichte vom selben Tag, wonach es sich um insgesamt vier Terroristen handelte. Alle sollen in Großbritannien geboren worden sein, drei stammten nach den Angaben aus dem Raum Leeds in Nordengland. Sollten sich die Berichte bestätigen, wären die Bluttaten die ersten Selbstmordanschläge in West-Europa.

Premierminister Tony Blair erklärte in einer von seiner Labour-Partei verbreiteten E-Mail, die Versuche von Terroristen, die Strukturen der britischen Gesellschaft zu zerstören, seien zum Scheitern verurteilt. "Wir sind entschlossen (...) sicherzustellen, dass unsere Werte und unsere Lebensweise ungeschmälert bestehen bleiben", hieß es.

Der Rat der Muslime in Großbritannien zeigte sich schockiert über die neuen Erkenntnisse. "Es sieht so aus, als seien unsere Jugendlichen in die schrecklichen Bombenanschläge gegen Unschuldige in der vergangenen Woche verwickelt", sagte der Generalsekretär des muslimischen Dachverbands, Iqbal Sacranie, am Dienstag. Er sicherte den Behörden erneut die Zusammenarbeit zu. "Durch nichts im Islam können die bösartigen Taten der Bombenattentäter gerechtfertigt werden", sagte Sacranie weiter.

Gewissheit gebe es erst nach weiteren längerwierigen kriminaltechnischen Untersuchungen auch der Leichen. Aber an allen vier Anschlagsorten seien persönliche Dokumente gefunden worden, anhand derer die Männer identifiziert worden seien, hieß es. Außerdem habe man Aufnahmen von Überwachungskameras, die alle vier gemeinsam am Donnerstagmorgen kurz vor den Anschlägen im Londoner Bahnhof King's Cross zeigten. Dann trennten sie sich.

Über diese Station fuhren die drei U-Bahnen, in denen dann die Bomben explodierten. Auch der Bus, in dem eine Bombe gezündet wurde, war dort abgefahren. Auf die Spur der Männer sei man durch einen Anruf der Familie eines der Attentäter gekommen, die ihren Sohn kurz nach den Anschlägen als vermisst gemeldet hatte. Im Zuge der Ermittlungen wurde am Dienstag außerdem ein Verdächtiger festgenommen, zu dem aber keine weiteren Angaben gemacht wurden.

Eine Anti-Terror-Einheit von Scotland Yard hatte seit dem Morgen im Raum Leeds daher sechs Häuser durchsucht, darunter die Wohnungen von drei der mutmaßlichen Attentätern. Kurze Zeit später evakuierte die Polizei den Bahnhof von Luton und ein angrenzendes Parkhaus. In der Stadt nördlich von London wurde dabei ein Auto sichergestellt. "Die Polizei glaubt, dass das Fahrzeug möglicherweise mit den Terroranschlägen in London zusammenhängt", sagte ein Sprecher der Ermittler. Leeds und Luton liegen an der Bahnlinie nach London, die im Bahnhof King's Cross endet.

In Brüssel warb die britische Regierung unterdessen für eine noch entschlossenere Bekämpfung des Terrorismus. Außenminister Jack Straw forderte unter anderem, dass nationale Behörden einen Zugriff auf die Daten von Mobilfunkanbietern in anderen EU-Staaten haben müssten. Er bat die Europa-Abgeordneten, Bedenken zurückzustellen: "Wir werden nicht tun, was die Terroristen wollen: Nämlich einen Polizeistaat schaffen." Finanzminister Gordon Brown sagte, die EU wolle alles tun, um die Finanzquellen terroristischer Drahtzieher auszutrocknen.