Die von der Union im Falle eines Wahlsiegs geplante Erhöhung der Mehrwertsteuer von 16 auf 18 Prozent wird vom möglichen Koalitionspartner FDP weiterhin entschieden abgelehnt. FDP-Chef Guido Westerwelle und Generalsekretär Dirk Niebel bekräftigten in Interviews ihre Entschlossenheit, die Steuererhöhung zu verhindern. Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel und CSU-Chef Edmund Stoiber zeigten sich dagegen überzeugt, ihr Konzept in Koalitionsgesprächen mit der FDP durchsetzen zu können.Stoiber hielt den Freidemokraten am Montag vor, ihr Steuerkonzept sei "in keiner Weise solide berechnet". Zu den FDP-Forderungen nach Einsparungen statt Steuererhöhungen sagte Stoiber: "Wenn man meint, man könne alleine durch Einsparungen 15 bis 17 Milliarden Euro aus dem Steuertopf herausnehmen", werde dies "sehr schnell der Realität nicht standhalten", wenn man selbst an der Regierung sei.Merkel zeigte sich sicher, dass sich die Argumente für eine Erhöhung der Mehrwertsteuer, die die Union in ihrem Wahlprogramm fordert, letztlich durchsetzen: "Ich denke, dass die Kraft unserer Argumente vielleicht auch manchen in der FDP überzeugen kann." Dagegen bekräftigte Westerwelle seinen Widerstand gegen die Mehrwertsteuererhöhung, mit der die Union eine Senkung der Lohnnebenkosten finanzieren will. Der Neuen Presse sagte er: "Im ersten Regierungsjahr wäre die Folge der Unionspläne sogar eine Mehrbelastung der Bürger. Deshalb wollen wir diesen Weg verhindern." Auch FDP-Generalsekretär Niebel verurteilte die Steuerpläne der Union: "Die Union zeigt mangelnden Mut zu einer echten Strukturreform." Die FDP wolle "alle Vergünstigungen und Subventionen streichen, einen einfachen Stufentarif einführen und die Steuerzahler entlasten. Davon ist die Union noch weit entfernt." "Zur Senkung des Beitrags zur Arbeitslosenversicherung brauchen wir keine höhere Mehrwertsteuer", zeigte sich der FDP-Finanzexperte Hermann Otto Solms überzeugt. "Dies kann man beispielsweise durch eine Reform der Bundesanstalt für Arbeit und eine Abschaffung von erfolglosen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen erreichen." Das Wahlprogramm der Union sei der "typische Kompromiss einer Volkspartei", der eine Grundlage für Koalitionsgespräche sei, doch: "Da muss sich noch einiges entscheidend ändern." Die FDP-Kritik wurde von führenden Unionspolitikern zurückgewiesen. "Die merkwürdigen Berechnungen der FDP kann ich nicht nachvollziehen", sagte die Vorsitzende der Frauen-Union, Maria Böhmer, dem Kölner Stadt-Anzeiger . In derselben Zeitung meinte CDU-Präsidiumsmitglied Hildegard Müller: "Wir können den Bürgern nur versprechen, was wir auch halten können. Ich hoffe, dass die Kollegen der FDP zur Realität zurück finden." CSU- Landesgruppenchef Michael Glos erklärte: "Ein kleiner Partner muss stärker trommeln, um auf sich aufmerksam zu machen, als ein großer. Am Schluss werden wir uns eines Satzes von Franz Josef Strauß erinnern, der gesagt hat: Der Hund wedelt mit dem Schwanz, nicht umgekehrt."