Frankfurt/London Die Weltbörsen haben die Terroranschläge von London trotz erster heftiger Schockwellen und Panikreaktionen schnell verkraftet. Nach allgemeiner Einschätzung werden die Bombenattentate mit mindestens 33 Toten der Wirtschaft keinen dauerhaften Schaden zufügen. Der DAX reduzierte seine Verluste auf ein Minus von 1,85 Prozent bei 4530 Punkten, nachdem er zeitweise bis auf 4444,94 Zähler abgesackt war. Die Wall-Street eröffnete am Donnerstag mit nur moderaten Einbußen. Der Devisenmarkt kehrte nach starken Kursausschlägen zum Vortagesstand zurück. Die Ölpreise erholten sich etwas, blieben aber unter den am Morgen erreichten Rekordwerten.

Besonders schwer traf der erste Schock an den Börsen die Aktien von Reiseunternehmen und Versicherern. Schwächste DAX-Werte waren am Nachmittag die Allianz-Aktie mit Einbußen von 2,78 Prozent auf 95,08 Euro und das Papier der Münchner Rück, das 2,56 Prozent auf 86,82 Euro verlor. Die TUI-Aktie konnte ihre Verluste deutlich eingrenzen und notierte ein Minus von 2,13 Prozent bei 20,63 Euro. Zunächst war sie bis auf 19,36 Euro abgesackt.

Das deutlichste Zeichen für die Normalisierung der Lage war der relativ freundliche Start der amerikanischen Börsen am Nachmittag europäischer Zeit. Der Dow Jones notierte eine Stunde nach Handelsbeginn um 0,79 Prozent im Minus bei 10 189 Punkten, während der Index der Technologiebörse NASDAQ 0,69 Prozent auf 2054 Punkte einbüßte. Vorbörslich hatten die Indizes deutlich schlechter gestanden.

In Deutschland notierte der MDAX ein Minus von 0,88 Prozent auf 6353 Punkte und der TecDAX einen Abschlag von 1,02 Prozent auf 549 Zähler. Der Londoner FTSE-100 verlor 1,49 Prozent auf 5152 Punkte, der EuroSTOXX 50 büßte 1,92 Prozent auf 3032,45 Punkte ein. Zwischenzeitlich hatten diese Indizes bis zu vier Prozent verloren.

Am Devisenmarkt entspannte sich die Lage noch im Laufe des Tages. Der Euro kehrte am Nachmittag mit einem Kurs von 1,1929 Dollar praktisch zum Vortagesstand zurück, nachdem er zeitweise bis auf 1,2041 Dollar gestiegen war. Die Feinunze Gold wurde in London am Nachmittag mit 425,20 (423,50) Dollar gefixt. Gold ist traditionell eine beliebte Geldanlage in Krisenzeiten. Auch der Schweizer Franken und Staatsanleihen waren gefragt.

Volkswirte betonten, sie rechnen nicht mit dauerhaften Schäden für Konjunktur und Börsen. "Im Augenblick gehe ich nur von einem momentanen Einbruch aus", sagte ifo-Chefvolkswirt Gernot Nerb. Es sei ein übliches Muster, dass die Finanzmärkte in solchen Fällen überschießen. Einen Grund, an den Konjunkturprognosen zu rütteln, gebe es nicht. Auswirkungen auf die Stimmung in der deutschen Wirtschaft bei der monatlichen Erstellung des ifo-Geschäftsklimaindex seien allerdings nicht auszuschließen. "Die Reaktion ist nachvollziehbar, weil die Märkte erst einmal geschockt sind", sagte HVB-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Er rechne mit einer Normalisierung.

Am Ölmarkt hatten die Anschläge zunächst für einen rasanten Preiseinbruch gesorgt. Da die Terrorangst die Reise- und Konsumlust bremsen und dadurch die Ölnachfrage drücken könnte, griffen Spekulanten zu Gewinnmitnahmen nach dem Aufwärtstrend der Vortage. Nachdem amerikanisches Rohöl am Morgen wegen eines Hurrikans im Golf von Mexiko noch das Rekordhoch von 62,10 Dollar je Barrel (159 Liter) erreicht hatte, brach der Preis nach den Explosionen in London bis auf 57,20 Dollar ein. Im Laufe des Tages wurde wieder die Marke von 60 Dollar erreicht. Der Brent-Preis in London entwickelte sich ähnlich.