The Times: (Großbritannien) "Das Ausbleiben terroristischer Zwischenfälle in Großbritannien seit 2001 hat verständlicherweise dazu geführt, dass eine neue Balance zwischen dem Kampf gegen den Terrorismus auf der einen Seite und den Rechten der Bürger auf der anderen Seite gefordert wird. Es ist wichtig, dass die Zivilrechte nicht in einem Sturmlauf drakonischer Gesetzgebung niedergetrampelt werden. Es muss aber auch eingeräumt werden, dass neue rechtliche Befugnisse notwendig werden können, um den Terrorismus zu bekämpfen und dass sie nicht nur jene treffen, die terroristischer Sympathien verdächtigt werden, sondern die Öffentlichkeit im allgemeinen. Minister sollten nicht mit ungebührlicher Hast nach dem Gesetzbuch greifen, aber die Bürger müssen auch begreifen, dass die Sicherheitslage heute alles andere als normal ist."Neue Zürcher Zeitung: (Schweiz) "Wenn es stimmt, dass die Serie von blutigen Anschlägen in London von einer Terrororganisation vorbereitet und ausgeführt worden ist, dann steckt dahinter ein ebenso diabolisches wie raffiniertes Timing. ... Dennoch sind verantwortungsbewusste Regierungen verpflichtet, alle im Rahmen eines Rechtsstaates möglichen Anstrengungen zu unternehmen, um das Terrorrisiko zu reduzieren. Zu diesem Kampf gehören auch politische, wirtschaftliche und soziale Konzepte, die darauf abzielen, den Nährboden für terroristische Rattenfänger und Verführer wirkungsvoll auszutrocknen."The Guardian: (Großbritannien) "Mit Recht hat Premierminister Tony Blair betont, dass unsere Entschlossenheit zur Verteidigung unserer Werte und unseres Lebensstils felsenfest sein muss. Dies bedeutet Unnachgiebigkeit im Angesicht der direkten Bedrohung durch den teroristischen Feind. Es bedeutet polizeiliche Ermittlungen und langfristige Aufklärungsarbeit. Es beinhaltet auch, dass man versucht zu verstehen, was Menschen zu solch grässlichen und abgrundtief üblen Aktionen treibt und dass man nicht nur die Sicherheit verstärken will, um Wiederholungen zu vermeiden. Zugleich müssen wir absolut an all den Werten festhalten, die eine offene Gesellschaft so lebenswert machen, einschließlich Toleranz und Bürgerrechten."Frankfurter Allgemeine Zeitung: (Deutschland) Premierminister Blair hat einen Zusammenhang zwischen dem G-8-Treffen im schottischen Gleneagles und den Terroanschlägen in London hergestellt. Tatsächlich lässt das Muster der Anschläge - Explosionen an mehreren Orten fast zur selben Zeit, die Ähnlichkeit mit dem Attentat von Madrid - vermuten, dass dieses Verbrechen von langer Hand vorbereitet war und in einem Moment ausgeführt werden sollte, da die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf Britannien gerichtet sein würde. Es ist der Zynismus des Zufalls, dass die Stadt, die am Tag zuvor noch über den Erfolg ihrer Olympia-Bewerbung jubelte, jetzt vom Entsetzlichen getroffen wurde und Trauer tragen muss.Libération: (Frankreich) "Was für ein Kontrast! Wer das zur Maske erstarrte Gesicht des entschlossenen britischen Premierministers gesehen hat, der musste an den vor Freude strahlenden Tony Blair nur einen Tag zuvor denken, als London den Zuschlag für die Olympischen Spiele 2012 erhielt. An dem von Blair erklärten Krieg gegen den Terrorismus wird sich also nichts ändern. Seine Weigerung, sich durch die Anschläge einschüchtern zu lassen, passt zu dem kühlen Kopf, den die Briten am Donnerstag in den Straßen der Hauptstadt bewahrt haben: Keine Panik, unerschütterliche Ruhe und der schon so lange bekannte Widerstandsgeist dieses Volkes."Daily Express: (Großbritannien) "Man muss kein Labour-Anhänger sein, um das Geschick und die Autorität anzuerkennen, mit denen Blair auf die Anschläge reagierte. ... Jetzt beginnt wohl eine Zeit, in der das britische Volk, das sich nicht so leicht reizen lässt, militanter auftritt, um die Grundsätze seiner Gesellschaft zu verteidigen. Es wird dabei weniger bereit sein, jenen nachzugeben, die diese Werte nicht akzeptieren. Mr. Blair kann gut mit dem Problem umgehen, wie man von einigen ethnischen Minderheiten mehr verlangen kann und ihnen gleichzeitig versichert, dass sie geschätzt und respektiert werden. ...Vor den Terroranschlägen hat wohl so mancher Brite die Tage gezählt, bis Blair abtritt. Er hat viele vor den Kopf gestoßen mit seinen Entscheidungen, vom Irak- Krieg bis zu Steuern und höheren Gebühren. ... Er hat es sicher nicht so gewünscht, aber im Augenblick erlebt Blair seine zweiten Flitterwochen. Und wenn sie andauern, wird er vielleicht seinen Wunsch ändern, nach dieser Legislaturperiode von der politischen Bühne abzutreten."Süddeutsche Zeitung (Deutschland) Die Reaktion des britischen Premiers, der britischen Politik, der Polizei, ja der gesamten britischen Öffentlichkeit auf den neuen Terror in London ist bemerkenswert und geradezu vorbildlich. Mit erstaunlicher Ruhe erträgt das Land den Terror und sendet damit die wichtigste Nachricht an die Attentäter, die in diesem Moment zu verbreiten ist: Wir lassen uns nicht einschüchtern. Wir verweigern uns der Logik dieser Anschläge. Diese Logik hat indes am 11. September funktioniert, sie gehorcht einem einfachen Prinzip: Es geht nicht allein um die Maximierung der Opferzahl und die Zerstörung, es geht um die größtmögliche Aufmerksamkeit in aller Welt, den bestmöglichen Schockeffekt. Die angegriffene Gesellschaft soll verstehen, dass sie niemals und nirgendwo sicher ist. Sie soll sich zu drakonischen Reaktionen herausgefordert fühlen, zum Gegenschlag, zum Krieg.Nepszabadsag: (Ungarn) "Nach Madrid haben sie (die Terroristen) uns erneut in Bewusstsein gerufen, dass der Kampf gegen den globalen Terrorismus noch weit entfernt ist vom Sieg. ... Wenn er aber jetzt tatsächlich "wirksamer" werden sollte, müssen wir dann nicht noch mehr als bisher um unsere Freiheitsrechte fürchten? Werden wir wirklich gezwungen sein, immer mehr Geld, menschliche Kraft, vielleicht aber auch Rechte und Bewegungsfreiheit auf dem Altar der Sicherheit (das heißt: der Angst) zu opfern?"Il Messaggero: (Italien) "Mit feuchten Augen, die Stimme voller Schmerz und Wut: Die Rede, die gestern live und nur wenige Stunden nach den Anschlägen von London aus Schottland im Fernsehen übertragen wurde, war vielleicht die schwerste und am wenigsten verführerische in der langen politischen Karriere des britischen Premierministers. Indem er ohne jede Form der Rhetorik auskam, hat Blair es geschafft, die richtigen Sätze für ein Land zu finden, das nach den Explosionen in seiner Hauptstadt tief erschüttert war.Eine kurze Rede, die von einem authentischen Staatsmann gehalten wurde und an die Botschaften erinnerte, die große Führer in den wichtigsten Momenten der britischen Vergangenheit an die Nation gerichtet hatten. So wählte Winston Churchill im Mai 1940 ähnliche Worte, als er erläuterte, was im Kampf gegen den Nationalsozialismus auf dem Spiel stand und welche Opfer erbracht werden müssten, um die Hoffnung auf einen Sieg am Leben zu erhalten."Svenska Dagbladet: (Schweden) "Wie viele Tote es gegeben hat, ist eine lebenswichtige Frage für alle, die sich in London befinden oder Freunde und Angehörige vor Ort haben. In anderer Weise aber spielt es keine so große Rolle, wie viele Menschen betroffen sind. Wenn sich Angriffe gegen den Massentransport richten, ist das Ziel Massenmord an Unschuldigen. In welchem Ausmaß es von den Terroristen erreicht wird, ändert nichts an der Natur ihres Handelns. Sie ist genauso grauenhaft wie am 11. September. ... In gewisser Weise sind die Spekulationen über denkbare Täter sinnlos. Operativ spielt es natürlich eine große Rolle, welche Organisation hinter dem Terror steht. In moralischer Hinsicht aber macht das keinen Unterschied. Terrorismus darf sich niemals lohnen."Stuttgarter Zeitung: (Deutschland) Wer wie so viele Politiker in Washington und auch in London nur in militärischen Kategorien denkt, der wird jetzt nach noch größeren Militäretats, nach noch mehr Soldaten rufen. Aber diese nutzen nichts. Und es bringt auch nichts, Israel nachzuahmen und Mauern zu bauen, um sich von der Außenwelt abzuschließen. Der Westen lebt von seiner Offenheit und seiner Freiheit. Wenn die Terroristen es erreichten, dass der Westen seine Liberalität aufgäbe und in Ängsten versänke, hätten sie ihren Krieg gewonnen.La Croix: (Frankreich) "Keine Politik, auch wenn sie noch so sehr die Sicherheit betont, kann vor Fanatikern schützen, die zu allem bereit sind und auch ihr Leben geben. Es bleibt den bedrohten Ländern nichts anderes übrig, als gemeinsam dagegen Front zu machen. Auf dem G8-Gipfel haben sie schon Geschlossenheit und Eingigkeit demonstriert. Sie müssen alles ablehnen, was die Terroristen mit einer Religion oder Kultur in einen Topf wirft. Vor allem aber gilt es, Ungleichheit und Ungerechtigkeit - Nährböden jedes Extremismus - abzubauen. Zählen können müssen sie auch auf den Mut der Völker, die der Bedrohung gelassen die Stirn bieten."Iswestija: (Russland) "Der Terrorismus greift die Zivilisation und deren Symbole, Kultur, Werte und Institutionen an. In Momenten wie diesen fühlt sich Russland so stark wie nie zuvor als Teil der westlichen Zivilisation.Der globale Terrorismus bleibt anonym, selbst wenn sich jemand zu einem Terrorakt bekennt. Wer es letztlich getan hat, ist gar nicht so wichtig. Denn es geht um einen weltweiten Krieg der Barbarei gegen die Zivilisation. Dieser Krieg setzt sich jeden Tag, jede Minute und jede Sekunde fort. Die Apokalypse ist nebenan."La Repubblica: (Italien) "Im selben Land, wo die Großen der Welt den G8 eröffneten, im selben London, das das "Zentrum der Welt" 2005 geworden war, hat der Terrorismus gestern seinen Krieg geführt - indem er die Metros angriff, die Züge in den Tunneln verbrannte, Dutzende Menschen durch Bomben tötete, bis die ganze Stadt im Terror zum Erliegen kam und sich der Alarm auf ganz Europa ausbreitete.Einerseits waren da die Führer der großen Länder, die sich um einen plötzlich um Jahre gealterten (britischen Premierminister Tony) Blair vereinten ... - und die die symbolische und politische Zielscheibe der Bomben waren. Auf der anderen Seite Kriegsszenen im friedlichen Umfeld unserer alten europäischen Städte, die seit 60 Jahren daran gewöhnt sind, ohne Konflikte im eigenen Land zu leben: Krankenwagen, Sirenen, Polizisten und Soldaten, Blut. Wieder erinnert uns der Tod - wie bereits in Madrid ... - daran, dass wir mitten an der Front stehen, während wir noch glauben, im Frieden zu leben.Le Soir: (Belgien) "Ohne in einem apokalyptischen Szenario des Kriegs der Zivilisationen oder der Dogmen zu versinken, muss man der Entschlossenheit (der Terroristen) weiterhin mit Entschlossenheit entgegentreten. Diese Haltung ist notwendigerweise mit einer Mobilisierung über nationale Grenzen hinweg verbunden, die über unsere Kirchturm-Querelen und unsere regelmäßigen Wortergüsse hinausragt."Le Figaro: (Frankreich) "Vielleicht finden die auf dem G8-Gipfel versammelten Großen dieser Welt jetzt den Weg zu dem, was vorrangig ist. Zunächst einmal ist es wichtig, die oftmals fruchtlosen Querelen einzustellen und den Solidaritätsbekundungen einen greifbaren Inhalt zu geben. Mit ihren Bemühungen, die Armut in Afrika zu verringern und das Überleben des Planeten zu sichern, sind sie auf einem guten Weg. Auch der Kampf gegen den Terrorismus und seine tief liegenden Wurzeln erfordert es, jenseits aller Divergenzen zu einem wirklichen Dialog unter Partnern zu kommen. Denn sonst werden wir angesichts der blinden Gewalt gegen unsere Hauptstädte lange nur Wut und Ohnmacht empfinden können."Westdeutsche Allgemeine Zeitung: (Deutschland) Der Terror ist in dieser Form nicht beherrschbar. Wie sollen die Sicherheitskräfte einen möglichen, fürchterlichen Anschlag verhindern, wenn Millionen Menschen auf den Beinen sind und das Leben in einer Weltmetropole pulsiert? Wer von Fahndungs- und Aufklärungsarbeit im Vorfeld spricht, macht es sich leicht. Sie ist unabdingbar, garantiert aber nicht den erhofften Erfolg. Die Zahl der bin-Laden-Sympathisanten ist nach Auskunft von Experten für unser Empfinden unerträglich hoch. Dennoch darf es dem Rechtstaat auf gar keinen Fall passieren, Menschen eines Glaubens unter Generalverdacht zu stellen, weil ihre Religion von Fanatikern missbraucht wird.Basler Zeitung: (Schweiz) "Seit Premier (Tony) Blair britische Truppen an den Golf geschickt hat, fürchten sich die Londoner vor einem Rachefeldzug islamischer Fundamentalisten. Nur eine Bevölkerungsminderheit stand hinter der irakischen Invasion. Millionen protestierten gegen den Krieg und waren überzeugt, dass Härte neue Härte erzeugt. Sie haben Recht behalten. ... Nichts, aber auch gar nichts rechtfertigt die Bombenattentate in London. Nur können sich jene nicht aus der Verantwortung stehlen, die den Boden für so viel Hass bereiteten."Salzburger Nachrichten: (Österreich) "Tatsächlich haben die radikalen Islamisten Europa zu einem Zentrum ihres "Kampfes" gemacht. Zum einen, weil unser Kontinent viel näher an den Ursprungsorten der islamistischen Ideologie liegt als Amerika. Zum anderen, weil die europäischen Länder selbst eine große islamische Gemeinde haben, in der die Extremisten die an den Rand Gedrängten für ihre "Sache" mobilisieren und indoktrinieren können. ...Dieser Terror bleibt eine Bedrohung, auch wenn der Hydra von El Kaida inzwischen der Kopf abgeschlagen worden ist. Die "Dezentralisierung" macht diesen Terror noch unberechenbarer. In aller Schärfe wird Europäern und Amerikanern klar gemacht, wie notwendig eine gemeinsame Strategie gegen den Terror ist. Risse in den Reihen der westlichen Demokratien nützen nur den Feinden der Freiheit."Rzeczpospolita: (Polen) "Ein professionelles Schutzsystem ist nicht alles. "Wir lassen nicht zu, dass Gewalt unsere Gesellschaft und unsere Werte verändert", schrieben die G8-Führer in einer Sondererklärung. ... Und doch gab Spanien im vergangenen März (mit dem Truppenrückzug aus dem Irak) der terroristischen Erpressung nach.Die Entschlossenheit der europäischen Gesellschaften ist nicht sicher, weil sich Europa in einer Krise der Werte befindet. Sicher ist nur, dass die Europäer um jeden Preis ihren Wohlstand erhalten und ihre Ruhe haben wollen. ... "Unsere Werte" bedeutet oft genug "unser Wohlstand" und "unsere Bequemlichkeit". Mit einer solchen Moral kann es schwer sein, sowohl den Ursachen als auch den Ergebnissen des Terrorismus zu begegnen. Es muss jedoch genügend Kraft und Glauben gefunden werden, um diese Herausforderung anzunehmen."