„Wir würden einen Anschlag auf die U-Bahn in den Griff bekommen..“ - das stellte der Londoner Ambulance Service im vergangenen Jahr fest, nachdem eine gewaltige Bombendetonation im Moskauer U-Bahnnetz mehr als 40 Menschen getötet und weitere 200 veletzt hatte.

Im U-Bahnnetz der britischen Hauptstadt sind heute aber mindestens sieben Bomben explodiert. Der Online-Dienst der BBC berichtet bislang von 90 Verletzten und mindestens zwei Toten, aber weil die Sprengladungen, wie jene in Moskau, während des Berufsverkehrs detonierten, ist mit einer weitaus höheren Zahl von Verletzten und Toten zu rechnen. Reporter beschreiben chaotische Zustände, blutüberströmte Menschen schleppen sich über den Asphalt, Notarztwagen drängen sich an den Unfallstellen. Busse wurden zu Lazaretten umfunktioniert, die Notaufnahmen der Krankenhäuser sind für nicht Betroffene geschlossen. Die Notärzte der Metropole müssen nun zeigen, ob sie dieser ungeheuren Anforderung gewachsen sind.

„Das medizinische Katastrophenmanagement der Briten unterscheidet sich nur wenig von dem der Bundesrepublik“, sagt Ulrike Pantzer vom Medizinischen Dienst des Deutschen Roten Kreuzes. Das heißt: Nachdem klar ist, daß es sich um eine Katastrophensituation mit vielen Verletzten handelt, werden leitende Notärzte an die Orte des blutigen Geschehens geschickt. Sie koordinieren die medizinischen Kräfte und weisen sie unter anderem zu einer Sichtung der Verletzten an.

Diese Prinzipien dieser sogenannten „Triage“ sind militärischen Ursprungs. Die Betroffenen werden zunächst nur untersucht, nicht behandelt. Die Ärzte teilen die Opfer in eine von vier Kategorien ein und versehen die Menschen mit farbigen Kärtchen – rot für lebensbedrohlich, gelb für schwer oder grün für leicht verletzt. Schwarze Karten stehen für jene Fälle, in denen mit ziemlicher Sicherheit nichts mehr zu machen ist; für Tote gibt es eine fünfte Kennzeichnung, die von Nation zu Nation anders aussieht. Erst nach dieser Markierung beginnen die Ärzte mit der medizinischen Versorgung.

Versorgt werden zunächst pauschal die roten Fälle. Wer mit einem zertrümmerten Oberschenkel auf der Straße liegt, also zu den „Gelben“ gehört, muß warten. Das Triagesystem galt nach den Weltkriegen lange Zeit als verpönt, die Markierung von Menschen wurde abgelehnt. Inzwischen gehört es zum Standard der Katastrophenmedizin. Das makabere Verfahren ist nach Aussage von Ulrike Pantzer nötig, um eine bestmögliche Gesamtversorgung der Verletzten zu gewährleisten. „In Madrid ist das vorbildlich gelungen“, sagt die Katastrophenmedizinerin.