Einer der wichtigsten Männer in Washington ist Karl Rove. Offiziell bekleidet er zwar lediglich das Amt des stellvertretenden Stabschefs, doch Beobachter messen ihm eine weit größere Rolle zu. Er gilt als das "Gehirn Bushs", als Architekt der beiden Wahlsiege des Präsidenten. In einer Untersuchung der Justiz ist Bushs Chefstratege nun in Bedrängnis geraten.

Worum es geht: 2003 wurde die Identität der CIA-Agentin Valerie Plame enttarnt. Die Journalisten, die darüber berichteten, nannten anonyme Regierungsbeamte als ihre Quellen. Diese sollen seit einigen Monaten in einem Gerichtsverfahren aufgedeckt werden. Auf Anordnung dieses Gerichts musste sich Judith Miller von der New York Times letzte Woche in Beugehaft begeben, weil sie ihre Quellen nicht preisgab. Matthew Cooper vom Time Magazine handelte anders und nannte seine Informanten, nachdem sein Blatt zuvor seine Reporternotizen herausgegeben hatte. Nun tauchte der Name Rove in diesem Zusammenhang in einem Newsweek -Artikel auf. Seitdem glauben die Medien und Demokraten einen Skandal ausgemacht zu haben. Rove schweigt zum Fall.

Jedoch hat sich Roves Anwalt, Robert Luskin, zu Wort gemeldet. Und die Indizien, die er liefert, füttern Theorien über den Verdacht an Roves Schuld. Laut Newsweek hat Rove demnach wenige Tage, bevor zum ersten Mal der Name Plame in den Medien (in der Chicago-Sun Times -Kolumne von Robert Novak) auftauchte, eben mit Novak gesprochen. Eine Schuld dementiert der Anwalt: Rove habe "niemals bewusst klassifizierte Information preisgegeben". Und: "Er hat keinem Reporter erzählt, dass Valerie Plame für die CIA arbeitet."

Der Verdacht, dass die Enttarnung der Agentin vom Weißen Haus lanciert wurde, besteht seit längerem. Valerie Plame ist nämlich die Ehefrau von Joseph Wilson, jenem Ex-Botschafter, der Behauptungen der Bush-Regierung zur Legitimation des Irak-Krieges nach einer Auftragsreise öffentlich anzweifelte – eine Woche vor der Enttarnung seiner Frau. Was Karl Rove allerdings getan haben soll, war Cooper von Time mitzuteilen, dass Joseph Wilsons Ehefrau als Waffenexpertin für die CIA arbeite – ohne die Nennung ihres Namens. Dies räumte sein Anwalt ein. Denn schließlich habe Rove nur klar machen wollen, dass Wilson deshalb den Expertenauftrag für die Regierung bekommen habe, weil seine Frau über entsprechende Verbindungen verfüge. Und so habe Rove Time lediglich vor einer Fehlmeldung (nämlich einer politisch motivierten Einschätzung Wilsons zum Irak-Krieg) warnen wollen.

Und so hat der Präsident noch Spielraum, sich hinter seinen Strategen zu stellen. "Jeder, der im Weißen Haus arbeitet, hat das Vertrauen des Präsidenten", ließ er seinen Pressesprecher verlauten. "Sonst würden sie nicht hier arbeiten." Doch dieser Schuss könnte auch nach hinten losgehen. Zwar kann man einen Befehl von ganz oben kaum nachweisen, doch Roves Ergebenheit ist bekannt. Die Washington Post spinnt die Befehlskette gedanklich weiter: "Wir können nicht sicher sein, dass es Rove war, der Plames Identität enthüllte. Aber eines ist sicher: Wenn er es war, dann hat er es im Namen Bushs getan."