Die UN-Vollversammlung beginnt am heutigen Montag die mit Spannung erwartete große Debatte über eine Erweiterung des Sicherheitsrates. Im Mittelpunkt steht ein Resolutionsantrag, von dem sich Deutschland, Japan, Indien und Brasilien als "Vierergruppe" (G4) ständige Sitze im höchsten politischen Entscheidungsgremium der UN erhoffen.Besonders gut sieht es dabei für Deutschland nicht mehr aus. Die Chance, dass sich Kanzler Gerhard Schröder (SPD) beim Geburtstagsgipfel der 60 Jahre alten Weltorganisation im September als Sieger präsentieren kann, ist inzwischen kaum noch größer als jene für seine Wiederwahl daheim.Dennoch verbreiten deutsche Diplomaten ähnlich wie ihre Kollegen in der "Vierergruppe" aus Japan, Indien und Brasilien tapfer Optimismus. Motto: "Hundertfünfzig plus". Die Siegesformel ergibt sich aus der politischen Mathematik der UN-Charta. Wer den Sicherheitsrat reformieren will, braucht eine Zwei-Drittel-Mehrheit der UN- Vollversammlung. Also mindestens 128 der 191 Mitgliedstaaten.Dass weit mehr als das Minimum, gar "Hundertfünfzig plus", zusammen kommen, prophezeiten G4-Vertreter gern vor Journalisten. "Wir haben die Zwei-Drittel- Mehrheit, aber wir wollen so viel Übereinstimmung in der Vollversammlung wie irgend möglich", sagte auch Deutschlands UN-Botschafter Gunter Pleuger.Aus so viel Siegesgewissheit könnte nun eine Blamage werden. Dafür sorgten letzte Woche zunächst die 53 afrikanischen UN- Mitglieder. Sie pochten - zum Entsetzen der G4 - auf Vetorechte für die zwei auch im G4-Modell vorgesehenen ständige Repräsentanten Afrikas. Da hatten die G4 längst ihre eigenen Veto- Ambitionen aufgegeben, damit die fünf Ständigen - USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich - die bittere Pille einer Ratserweiterung um neue permanente Mitlieder schlucken."Wenn die Afrikaner ihre Resolution forcieren, fehlen uns deren Stimmen und das wäre das Aus", bekannte ein hochrangiger G4- Diplomat. "Dabei kriegt deren Modell doch erst recht keine ausreichende Mehrheit. Die Afrikaner würden verlieren - und wir auch." Deshalb hoffen die G4-Außenminister, ihre Kollegen aus Afrika kommende Woche bei eilig angesetzten Verhandlungen in New York umstimmen zu können.Absolut "No Chance" gibt es hingegen, die kleine, aber sehr energische Schar der Gegner einer jedweden Erweiterung des Rates um ständige Sitze zum Einlenken zu bewegen. Diese Gruppe nennt sich "Vereint für Konsens". Sie hat eine Resolution vorgelegt, nach der es zehn weitere nichtständige Ratsmitglieder geben soll, aber keine neuen mit ständigem Sitz.Begründung: Privilegien einer Dauermitgliedschaft, wie sie die "Big Five" seit 1945 "leider" hätten, dürften nicht noch auf andere ausgedehnt werden. "Bei unserem Modell würde niemand diskriminiert werden", wirbt Italiens Gesandter Marcello Spatafora.In Wirklichkeit, so wettern die mittlerweile etwas verkniffen wirkenden Deutschen, wolle Rom doch nur Berlin einen ständigen Sitz verwehren. Für sich bekämen die Italiener nie genug Stimmen. Die Aussicht auf Dauerplätze im UN- Heiligtum hat auch außerhalb Europas heftige politisch-diplomatische Konflikte entfacht.Pakistan mischt bei der "Konsens"-Truppe der Italiener mit, um die Schmach eines Einzugs des verfeindeten Nachbarn Indien in den UN-Olymp abzuwenden. Peking unterstützt die Gruppe nicht aus Liebe zur Demokratie, sondern, um Tokio ein Bein zu stellen. Und dass Mexiko im "Konsens"-Club aus einem anderen Grund als seiner Gegnerschaft zu Brasilien mitmachen könnte, glaubt bei den UN niemand.So sei es leider bestellt um die Vereinten Nationen, die so vereint wohl doch nicht seien, sagt Griechenlands weißhaariger Botschafter Adamantios Vassilakis. Er ist in diesem, für den Sicherheitsrat so wichtigen Monat Juli dessen Präsident. Auf Weisung Athens werde er für die G4 stimmen, sagt Botschafter. Wundern würde er sich allerdings nicht, sollten sich "die verschiedenen Lager am Ende gegenseitig neutralisieren".