Ein Blick auf die Weltbevölkerungsuhr der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) kann einen schwindelig machen. Von praktisch einem Wimpernschlag zum anderen springt die Zahl um, waren es eben noch 6.477.338.265 sind es kurz darauf bereits 6.477.338.357. Hinter jeder dieser Ziffern verbirgt sich ein Neugeborenes. Ungefähr alle 2,5 Sekunden wird irgendwo auf dieser Welt ein Mensch geboren, der leben, essen, arbeiten will. Das sind am Tag mehr als 216.000 und im Jahr etwa 80 Millionen Menschen, etwa so viele wie insgesamt in Deutschland leben. Derzeit leben laut den Vereinten Nationen rund 6,5 Milliarden Menschen auf der Welt. Im Jahr 1804 waren es noch rund eine Milliarde. Anlässlich des Weltbevölkerungstags am 11. Juli wurden von der UN neue Zahlen zur demographischen Entwicklung vorgelegt. Demographieexperten erwarten, dass im Jahre 2050 die Weltbevölkerung auf 9,3 Milliarden angewachsen ist. Am größten ist der Zuwachs in Zentralafrika, wo sich die Bevölkerungszahl von heute 112 Millionen Menschen auf 309 Millionen im Jahr 2050 nahezu verdreifacht. Der gesamte afrikanische Kontinent wird in diesem Zeitraum um eine Milliarde Menschen wachsen. In Asien werden zur Jahrhundertmitte 1,4 Milliarden mehr Menschen leben und Lateinamerika wird 246 Millionen Menschen hinzugewinnen. Der jährliche Weltbevölkerungstag der UN wird seit 1994 begangen. In diesem Jahr hatten sich erstmals Politiker aus 179 Ländern zu einer UN-Bevölkerungskonferenz in Ägypten getroffen. Die Staatengemeinschaft in Kairo hatte sich unter anderem darauf geeinigt, allen Frauen und Männern Zugang zu sicheren, wirksamen und erschwinglichen Familienplanungsmethoden zu gewähren. Schnelles Bevölkerungswachstum führt gerade in den ärmsten Ländern zur Überlastung der Gesundheits- und Bildungssysteme und behindert damit auch die wirtschaftliche Entwicklung."Armutsbekämpfung kann nur dann erfolgreich sein, wenn sich das Bevölkerungswachstum verlangsamt. Die Voraussetzung für einen Geburtenrückgang ist jedoch, dass sich auch in den ärmsten Ländern der Zugang zur Familienplanung entscheidend verbessert", erklärte die stellvertretende DSW-Geschäftsführerin Renate Bähr. "Das Bevölkerungswachstum würde zurückgehen, wenn jeder Mensch Zugang zu Aufklärung und Verhütung hätte. Daher müssen wir mehr in Familienplanung investieren. In Afrika stehen heute jährlich nur drei Kondome pro Mann aus Hilfsprogrammen zur Verfügung".Für eine abgestimmte Familienplanung ist die Aufklärung der Frauen von besonderer Bedeutung. Der diesjährige Weltbevölkerungstag steht deshalb unter dem Schwerpunkt der Gleichberechtigung der Frauen. UN-Generalsekretär Kofi Annan strich in seiner Ansprache zum Weltbevölkerungstag heraus, dass es sinnlos wäre, ohne die Hälfte der Weltbevölkerung - gut 3,25 Milliarden Frauen - Entwicklungsziele und Menschenrechte für alle anzustreben. Daher sind Bildung, eine bessere Gesundheitsversorgung und die Stärkung der Rechte von Mädchen und Frauen auch Teil der Milleniumsziele, auf die sich die die Staats- und Regierungschefs im Jahr 2000 bei der UNO-Versammlung verständigt hatten.Eine gute Ausbildung für Frauen würde Voraussetzungen schaffen, um über die Zahl des Nachwuchses frei und verantwortlich, entscheiden zu können - für die meisten Menschen in den Industrienationen eine Selbstverständlichkeit. Nach Angaben der Vereinten Nationen haben rund 350 Millionen Paare auf der Welt so gut wie keinen Zugang zu Verhütungsmitteln. Weltweit ist jede vierte Schwangerschaft unerwünscht.Dennoch regt sich Widerstand gegen Verhütung. Die katholische Kirche hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass sie Verhütungsmittel für verwerflich hält, aber auch in den USA wächst die Ablehnungsfront. Die USA zogen vor drei Jahren die Zusage über 34 Millionen Dollar für das UN-Bevölkerungsprogramm mit der Begründung zurück, das Geld würde auch für Abtreibungen und Zwangssterilisationen in China ausgegeben.Die USA stellten sich mit dieser Politik in Widerspruch zu den auf der Kairoer Weltbevölkerungskonferenz einstimmig verabschiedeten Zielen. Hintergrund der Blockade ist der wachsende Einfluss fundamentalistisch christlicher Lobbygruppen auf die Entwicklungspolitik der Regierung George W. Bush. Die Argumente dieser Gruppen sind vielfältig: Sie reichen vom Verfall der Sitten, dem durch Mittel zur Familienplanung Vorschub geleistet werde, bis zu der Befürchtung, die Menschheit würde aussterben, wenn alle Menschen freien Zugang zu Verhütungsmitteln hätten.Die von den USA gesperrten Mittel machen nach Angaben der UNFPA-Direktorin Thoraya Obaid ein Achtel des Kernbudgets der Organisation aus. Obaid hat für die amerikanische Haltung wenig Verständnis: "Mit dem Geld hätten weltweit jährlich zwei Millionen ungewollte Schwangerschaften verhindert werden können. 800.000 Abtreibungen wären zu vermeiden gewesen. 77.000 Säuglinge und Kinder, sowie 4.700 Mütter, die zu schwach sind, um Schwangerschaft, Geburt beziehungsweise die ersten Lebensjahre zu überstehen, hätten vor dem Tod bewahrt werden können."