Knapp 3300 Sportler aus über 90 Nationen werden vom 14. bis zum 24. Juli bei den World Games in Duisburg erwartet, um in 34 Medaillen- und sechs Einladungssportarten gegeneinander anzutreten. Mit der Intention, nicht-olympischen Sportarten eine Sportveranstaltung zu bieten, die auch Leibesübungen fern der fünf Ringe belohnt, debütierten die Spiele 1981 im amerikanischen Santa Clara und wurden fortan nach olympischen Vorbild alle vier Jahre ausgetragen. Die mühsame Entwicklung erlebte 1989 ihren Höhepunkt, als die dritte Ausgabe in Karlsruhe massenweise Zuschauer anlockte. Diese Anziehungskraft wieder zu beleben, darauf wird man in Duisburg hoffen, schließlich versanken die Spiele nach Karlsruhe, von Zuschauern und Medien kaum beachtet, nahezu in der Versenkung. Die Stadt Duisburg, zusammen mit den Ruhrgebietsnachbarn Bottrop, Oberhausen und Mühlheim/Ruhr Ausrichter der Spiele, stellt 22 Sportstätten, von denen keine explizit für die World Games errichtet werden musste. Bereits vorhandene Kapazitäten gelten seit Beginn der Spiele als Kriterien dafür, sich überhaupt als Gastgeber qualifizieren zu können. Im Hinblick auf den immer wieder herangezogenen Vergleich zu den Olympischen Spielen ist dies einer der grundlegenden Unterschiede, betrachtet man die zum Teil komplett neu geschaffenen sportlichen Infrastrukturen in den Olympia-Städten.

Das ist natürlich nicht der einzige Unterschied zwischen den beiden Veranstaltungen. Sah man bei den Olympischen Spielen einst einen Schwimmer aus Afrika, der Mühe hatte, nicht auf den Beckenboden zu sinken oder Bobfahrer aus Jamaika, die Schnee nur aus dem Fernsehen kannten, so wird bei den World Games darauf geachtet, dass wirklich nur die besten ihres Faches an den Start gehen. Aber: Die Sportarten selbst sind die Exoten. Statt Angelruten Richtung Wasser zu schwingen, um danach stundenlang zu warten, dass Fische oder alte Fahrradschläuche anbeißen, nennen die Sportangler ihre Passion neudeutsch "Casting" und werfen die Köder unter Zeitdruck und präzise auf kleine Ziele - oder einfach soweit sie können.

Auch andere populärere Sportarten sind dabei. Boule wird allen Klischees zum Trotz nicht mit Baskenmütze auf dem Kopf und filterloser Zigarette im Mundwinkel gespielt, sondern auf hohem, internationalem Niveau. Wohlbefleischte Sumo-Ringer buhlen um den Sieg und wittern ihre Chance, für die japanische Profiliga entdeckt zu werden. Oder Hockey: olympisch, sofern es unter freien Himmel gespielt wird, aber World-Games-Sport in der Halle. Sportarten wie Tauziehen oder Rugby waren einst olympisch, Triathlon, Badminton oder Beach-Volleyball kamen über den Umweg World Games ins olympische Programm. Das war damals, als es noch einfacher war, dem weltweit meistbeachteten Sportereignis einen neuen Anstrich zu verpassen.

Momentan allerdings ist es leichter, vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) von den Spielen verbannt zu werden. Dass jedenfalls zeigte sich, als auf der 117. Session des IOC in Singapur Baseball und Softball wieder aus dem Programm für 2012 gestrichen wurden und keine Sportart aus der langen Warteschlange auch nur einen Schritt vorwärts kam. Dass es für eine Streichung einer einfachen Mehrheit bedarf, während eine Aufnahme eine Zweidrittelmehrheit benötigt, kritisierte Ron Froehlich, Präsident der International World Games Association (IWGA), auf der Presskonferenz in Duisburg. Auch IOC-Präsident Jacques Rogge, ehemaliger Olympionike und World-Games-Teilnehmer für sein Heimatland Belgien, der bei der Eröffnungsfeier zu Gast war, erwägte bereits im Vorfeld eine Modifizierung der Olympischen Charta, in der die Aufnahmekriterien verankert sind.

Der nächste Anlauf werde für die Olympischen Spiele 2016 unternommen, prognostizierte Froehlich. Dass mag für die Athleten nicht die größtmögliche Motivation sein. Doch haben sie die Chance in Duisburg zu zeigen, dass die World Games zwar unter der Schirmherrschaft des IOC stattfinden, jedoch zumindest sportlich auf dem Weg sind, aus dem Schatten des großen Bruders heraus zu treten.