Was soll das - ein feierliches Bundeswehrgelöbnis am 20. Juli, dem Jahrestag des Attentats auf Hitler? Schmückt sich unsere Armee mit Widerstandslorbeeren, die ihr gar nicht zukommen? Sind die Offiziere um Stauffenberg eigentlich die richtigen Vorbilder für ein demokratisches Nachkriegsdeutschland?
Kopf und Symbol des militärischen Widerstands: Claus Schenk Graf von Stauffenberg, mit seiner Frau Nina Freiin von LerchenfeldFoto: ZDF

In der alten DDR wurde nur der kommunistische Widerstand gefeiert, und die Verschwörer des 20. Juli galten als Reaktionäre. Aber auch in der Bundesrepublik ist das Gedenken an die Hitler-Attentäter in Wahrheit eine Quelle von Verlegenheiten gewesen. Die Erinnerung an die Widerständler rief der Mehrheitsgesellschaft ihr eigenes Mitläufertum ins Gedächtnis. "Aufstand des Gewissens" hat man den 20. Juli genannt; es war auch ein Aufstand, der ein schlechtes Gewissen machte.

Im vergangenen Jahr hat der Attentatsversuch sich zum sechzigsten Mal gejährt, und vielleicht ist das wiedervereinigte Deutschland nun doch dabei, zu diesem Stück Geschichte ein erwachsenes Verhältnis zu finden. Es ist wahr, dass Stauffenberg und seine Mitverschwörer keine modernen liberalen Demokraten waren; die Bundesrepublik des Grundgesetzes hatten sie nicht vor Augen, wenn sie an ein künftiges, besseres Deutschland dachten. Aber der Mut, gegen die Tyrannei aufzustehen, ist ein Wert an sich. Man kann den Respekt davor nicht von politischer Korrektheit abhängig machen.

Und dann war der Widerstand, trotz aller preußischen, militärischen und konservativen Züge, eben doch keine Bastion eines vorgestrigen Nationalismus. Die Herrschaft des Rechts wiederherzustellen, ist ein Ziel der Verschwörer gewesen, ein anderes war die Rückkehr Deutschlands in die europäische Völkerfamilie.

Dass es nach dem furchtbaren und verbrecherischen Krieg mit der alten Staaten- und Interessenpolitik nicht weitergehen würde, dass man über die Grenzen hinausdenken musste - die Ur-Ideen eines zusammenwachsenden Europa sind auch im deutschen Widerstand gedacht worden. Die Bundesrepublik ist nicht aus dem 20. Juli entstanden, aber an diesem Tag Haltung anzunehmen, steht ihr wohl an.