Aufbruch zu neuen Ufern, dem Wind, der Sonne entgegen, frei von Zwängen und Beklemmungen, nackt und unbekümmert, Blumen im Haar, die Freiheit im Herzen, eins mit der Natur und den Elementen - so wünschte sich die Jahrhundertwende die neue, von allem wilhelminischen Muff und frühindurstriellen Schrecken befreite Existenz. Der Frühlingssturm von Ludwig von Hofmann ist das Programmbild dieser frühen Jugendbewegung, die radikaler als alle Vor- und Nachläufer von einer vollständigen Erneuerung des ganzen Lebens träumte: ästhetisch, kreatürlich, philosophisch, pädagogisch, sexuell, sozial, modisch und vegetarisch. Die Lebensreformer erfanden die Freikörperkultur, das Reformkleid, das natürliche Leben, die Lichttherapie, das gut gelüftete Schlafzimmer, die Reformkost, den Nietzsche-Kult, sie verbanden sich mit Jugendstil, Theosophie, Symbolismus und der Wandervogelbewegung, die später unrühmlich bei den Nazis Obdach suchte. In einer bewundernswert reichhaltigen Dokumentation (Die Lebensreform. Entwürfe zur Neugestaltung von Leben und Kunst - 2 Bde. - Häusser Verlag, Frankfurter Straße 64, 64293 Darmstadt - info@haeusser-media.com, 79,- e) lebt diese faszinierende Zeit wieder auf.