Schneider: Ein Grund ist sicher die gute Verfassung der bayerischen Haupt- und Realschulen. Die Schüler lernen dort gut und haben in vielen Regionen beste Chancen auf einen Ausbildungsplatz. Gerade im ländlichen Bereich gibt es nicht diesen Verdrängungswettbewerb, in dem Abiturienten den anderen die Lehrstellen wegschnappen.

ZEIT: In Deutschland ist Bayern Primus. In Kanada wären Sie in der Pisa-Rangliste der dortigen Bundesstaaten eine graue Maus. Wurmt es Sie, dass Bayern im internationalen Vergleich nicht ganz oben ist?

Schneider: Warten wir einmal die neuen Pisa-Ergebnisse ab (im Internet zu finden unter www.zeit.de/pisa, Anm. d. Red.). Edmund Stoiber hat als Ziel für die nächsten Jahre formuliert, aus unserer sehr guten nationalen Position unter die ersten fünf im internationalen Vergleich zu kommen.

ZEIT: Wie wollen Sie das erreichen?

Schneider: Als Konsequenz aus Pisa haben wir zwei große Themen angepackt: die Frühförderung und die individuelle Förderung der Kinder. Bei der Frühförderung geht es vor allem um eine intensive Sprachförderung im Kindergarten.

ZEIT: Und die individuelle Förderung?

Schneider: Die wollen wir ausbauen, indem wir beispielsweise am Gymnasium die Zahl der Fachstunden reduzieren, um Zeit für so genannte Intensivierungsstunden zu gewinnen. In diesen Stunden wird das einzelne Kind gefördert; es wird Stoff vertieft oder wiederholt. Wir müssen den Unterricht viel stärker vom Kind aus denken – das machen uns Finnland und Kanada vor.