ZEIT: Die Pisa-Studie zeigt, dass auch Länder mit Gesamtschulsystemen gute Leistungen bringen. Wäre nicht Bayern ein guter Vorreiter für eine leistungsorientierte Gesamtschule?

Schneider: Ich stelle die Frage andersherum: Brauche ich Strukturveränderungen für eine bessere Schulqualität? Meine Antwort ist: Nein. Es gibt viele Länder mit Einheitsschulsystem, die schlechter sind als wir. Eine Strukturdebatte würde viele Kräfte binden, ohne dass klar ist, ob sie Besserung bringt. Das können wir uns nicht leisten.

ZEIT: Ist Bayerns Hauptschule nicht in Wirklichkeit Deutschlands erfolgreichste Gesamtschule? Bei Ihnen gehen rund 40 Prozent der Vierzehnjährigen auf die Hauptschule. In Hessen zum Beispiel sind es nur 20 Prozent.

Schneider: Wir sorgen dafür, dass die Hauptschule eine attraktive Angebotsschule bleibt. Auf dem Land haben wir dort eine sehr große Leistungsbreite, in den Städten sieht es nicht ganz so gut aus. Letztlich ist unser Ziel, jeden Schüler nach seinem Leistungsvermögen optimal zu fördern. Gute Hauptschüler sollen die Mittlere Reife ablegen können, schwächeren Schülern soll in so genannten Praxisklassen eine Berufsperspektive eröffnet werden.

ZEIT: Ganz so rosig sieht es mit der individuellen Förderung in Bayern nicht aus. 20 Prozent der Gymnasiasten steigen zur Haupt- oder Realschule ab. In Baden-Württemberg sind es nur zwölf Prozent. Das ist Abschieben statt Fördern.

Schneider: Richtig, zu viele Schüler bleiben sitzen oder steigen ab. Eine Gegenmaßnahme sind eben zum Beispiel die Intensivierungsstunden am Gymnasium. Außerdem haben wir das Vorrücken auf Probe eingeführt. Ein Schüler mit zwei Fünfen sollte nicht gleich ein ganzes Jahr wiederholen. Wenn bei einer Schülerin oder einem Schüler die Versetzung gefährdet ist, entwickeln die Lehrer jetzt zusammen mit den Eltern einen Förderplan mit Verpflichtungen für den Schüler, die Schule und die Eltern.

ZEIT: Auch Arbeiter- und Einwandererkinder können in Bayern besser lesen und rechnen als jene in den lange Zeit SPD-regierten Ländern Hessen und Nordrhein-Westfalen. Insofern hat die schwarze Bildungspolitik die rote überraschenderweise auch in der Disziplin Gerechtigkeit geschlagen. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?