Schneider: Wir haben immer auf Qualität gesetzt. Mit dem Zentralabitur und den landesweiten Prüfungen für den Hauptschulabschluss und die Mittlere Reife haben wir den Schulen Standards von außen vorgegeben. So konnte kein Lehrer und keine Schule das Niveau senken. Offensichtlich hilft das Fordern von Leistung nicht nur den starken, sondern ebenso den schwachen Schülern. Ein zweiter Grund für unseren Erfolg ist, dass wir nicht dem Zeitgeist hinterhergejagt sind. Die so genannten 68er haben in Bayern nicht so tiefe Spuren hinterlassen. In unseren Schulen gab es keine Debatte über die Sinnhaftigkeit der Sekundärtugenden wie Fleiß, Ordnung, Pünktlichkeit oder Verlässlichkeit.

ZEIT: Gibt es eigentlich noch eine CSU-Bildungspolitik? Auch die SPD-Länder setzen auf Frühförderung und Sprachunterricht, auf Bildungsstandards und Zentralabitur.

Schneider: Wenn die SPD-Kultusminister plötzlich Pfade beschreiten, die wir schon immer gegangen sind, kann ich das nur begrüßen. Wir gehen einfach konsequent unseren bildungspolitischen Weg weiter und passen ihn neuen Erkenntnissen an.

ZEIT: Bei der Ganztagsschule haben Sie von der SPD abgeguckt.

Schneider: Wir hatten dazu in der CSU eine strittige Diskussion. Einige waren der Meinung, die Ganztagsschule zerstöre die Familie. Letztlich hat der Parteitag mit großer Mehrheit für die Einführung von Ganztagsschulen gestimmt, wenn der Besuch freiwillig ist. Dort, wo Eltern es wünschen, wollen wir ein attraktives Nachmittagsangebot bereitstellen. So groß, wie manche behaupten, ist der Wunsch nach Ganztagsschulen aber gar nicht. Gerade auf dem Land gibt es funktionierende soziale Netzwerke aus Verwandten, Bekannten, Sport- und Musikverbänden. Da wollen wir nicht staatlich verordnete Ganztagsschulen einführen.

Interview: Thomas Kerstan