Ansbach

An schlechten Tagen lässt der Mann kaum ein Fettnäpfchen aus. Dann kann es geschehen, dass er ein 1300 Euro teures Abendessen für seine Mitarbeiter im fernen Leipzig aus der Spesenkasse bezahlt. Der Chef ist eben gern großzügig.

Zu Hause, im biederen Markgrafenstädtchen Ansbach, wundert er sich hernach, dass, als das Ganze publik wird, ein mittlerer Aufstand droht. Beinahe schon rituellen Unterhaltungswert hat es, dass er in regelmäßigen Abständen die Karriere seiner Pressereferentin protegiert, mit der ihn, was absolut unbewiesen ist, ein über das Dienstliche hinausgehendes Verhältnis verbinden soll. Ob das nun wahr ist oder gelogen, in dem 40 000 Einwohner zählenden Städtchen, das seit dem Mord an Kaspar Hauser nicht mehr viel Aufregendes erlebt hat, ist es das Gesprächsthema schlechthin.

Würde der Mann seine kleinen Abenteuer als Chef eines mittelständischen Unternehmens inszenieren, hätten nur die Mitarbeiter etwas davon. Doch weil Ralf Felber Sozialdemokrat und seit 1990 Ansbacher Oberbürgermeister ist, in trauter Allianz im Übrigen mit der CSU, die ihn auch jetzt wieder mehr stützt als attackiert - deshalb also hat die Region westlich von Nürnberg derzeit das Vergnügen, von ihm mit einer neuen Affäre unterhalten zu werden. Sie wird zur besseren Unterscheidung von anderen Vorfällen die Handy-Affäre genannt und geht so: Ute Fleischmann, besagte Pressereferentin, war mit dem Auto unterwegs auf einer ihrer Dienstreisen, als sich ihr Chef bei ihr auf dem Handy meldete. Was tun? Es hätte ja was Dienstliches oder gar etwas wirklich Wichtiges sein können. Frau Fleischmann nahm das Gespräch an, während sie weiter ihren Wagen durch den Verkehr steuerte. Schon nach wenigen Sätzen wurde sie jäh unterbrochen, und eine Polizeistreife beschied: Macht 40 Euro Bußgeld, außerdem einen Punkt in der Flensburger Kartei.

Pressereferentin Fleischmann wäre wohl einsichtig und zahlungsbereit gewesen.

Doch sie hatte nicht mit dem Tatendrang ihres Gönners gerechnet. Kann man da denn nichts machen?, fragte OB Felber seinen Rechtsreferenten, was dieser missverstanden haben muss, als dienstlichen Auftrag nämlich. Er rief im Polizeipräsidium an und handelte einen Promirabatt aus - nur noch 30 Euro für das verbotene Multitasking im Straßenverkehr, und, was wichtiger war, kein Eintrag in Flensburg.

Doch im hellhörigen Ansbach bleibt so was selten geheim, so weit jedenfalls ist die Welt hier in Ordnung. Mit Verve stürzten sich die sonst immer ein wenig behäbig wirkenden Westmittelfranken auf Felber, und es machte die Sache nicht besser, dass jener, ehrlich verdutzt, in aller Unschuld ein wenig von seinem Amtsverständnis offenbarte: Das ist doch Pipifax und passiert jeden Tag.