Als die Einladung der Organisatoren per E-Mail kam, war Daniela Setton noch sehr zuversichtlich: Bestimmt sei so eine Reise sehr sinnvoll, fand sie, Öffentlichkeit sei ja auch wichtig für ihre Sache, warum eigentlich nicht? Daniela Setton, Attac-Mitglied und dort in der Arbeitsgemeinschaft Finanzmärkte, 31 Jahre, Politologin, entschloss sich, mitzufahren nach Edinburgh zum G8-Gipfel, um Bob Geldofs letztes Konzert seiner Live-8-Reihe zu sehen. Zusammen mit einer Promigruppe mit Leuten wie Barbara Becker, Dr. Motte, Campino, Anna Thalbach und Elton (einem Komödianten aus der Sendung von Stefan Raab). Also Leuten, von denen man behaupten darf, dass ihre Globalisierungskritik weit weniger profund ist als die von Daniela Setton. Die beschäftigt sich zurzeit mit Paul Wolfowitz’ Weltbankpräsidentschaft und mit dem Ilisu-Staudamm in der Türkei.

Es ist Mittwochvormittag, 6. Juli, und am Berliner Flughafen Tempelhof streiten sich die Fernsehteams um Elton, der eine Cordmütze trägt mit der Aufschrift "Eintracht Trier". Daniela Setton trägt eine Baskenmütze, eine Umhängetasche aus Leder und eine sehr ernste Hornbrille mit sehr breitem Bügel.

Ein Mann im weißen Anzug klatscht laut in die Hände, Jaka Bizilj, Konzertveranstalter und Bekannter von Bob Geldof. Er ruft: "Alle, die mit nach Edinburgh fahren, bitte hierher, zum Gruppenfoto!" Daniela Setton zieht eine rote Attac-Fahne aus ihrer Tasche, aber dann zögert sie und traut sich doch nicht mit aufs Foto.

Beim Einchecken sucht Campino die mitreisenden Journalisten. Er spricht sie einzeln an, bittet: Man möge doch positiv über die Reise berichten. Er wisse selbst, dass die Liste der Teilnehmer zur Häme einlade. Wo ist überhaupt der taz- Reporter?, Campino vermutet ihn im Träger einer Jack-Wolfskin-Jacke, weil auch die eine Tatze zum Logo hat, und findet ihn schließlich im Flugzeug, in einem Sessel sitzend. Campino kniet sich vor ihm nieder. Er erzählt, dass die übrigen Mitglieder seiner Band auf eigene Kosten zum Gipfel flögen und dass die nur zugesagt hätten unter der Bedingung, dass es kein Partyflug würde mit Alkohol an Bord. Stattdessen gibt es Red Bull. Die Firma hat die Reise nämlich spendiert, der Flieger (viel Mahagoni, schwere Ledersessel) ist ein absurd luxuriöses Verkehrsmittel, um zum Globalisierungskritisieren zu kommen.

Daniela Setton meint dazu aber großzügig, es sei ja nicht das Ziel, den Reichtum auf der Welt abzuschaffen, sondern die Armut. Überhaupt ist sie auf dem Hinflug sehr optimistisch, dass diese Reise ihren Sinn hat. Sie diskutiert eifrig mit Dr. Motte ("Ihr müsstet viel poppiger auftreten!"), Barbara Becker ist aufrichtig interessiert, stellt ihr eine Frage nach der anderen, und mit Henning Wehland, dem Sänger von H-Blockx, einer Band, die sie nicht kennt, unterhält sie sich wirklich angeregt. Als sie in Edinburgh ankommen, teilt er mit ihr sein Körnerbrötchen.

Die Gruppe geht zum Konzert, bleibt nur einen Abend in Edinburgh. Als es Daniela Setton dämmert, dass sie nur als gewöhnliche Konzertbesucherin angereist ist, nicht als Aktivistin, will sie sich von der Prominentengruppe absetzen, telefoniert mit ihren Freunden von Attac, aber die sagen ihr, dass sie keine Chance haben wird, im abgeriegelten Edinburgh zu ihnen durchzukommen.

Wieder im Flugzeug am frühen Morgen, sitzt Daniela Setton im Schneidersitz auf einem der Sofas, und sie sagt: "Es sollte halt jemand von Attac dabei sein. Das finde ich ja auch gut, dass wir eingeladen wurden. Aber letztlich hatte es irgendwie etwas von einem Feigenblatt." Wenn sie noch einmal vor der Entscheidung stünde, sie würde nicht wieder mitfahren. "Ich hatte gehofft, auf andere Delegationen zu treffen, um mit ihnen zu diskutieren." Aber sie traf nur auf Claudia Schiffer, die jedem der Gruppe die Hand reichte, der dies wollte.

"Es liegt auch an den deutschen Organisatoren. Es ist ihnen nicht gelungen, eine politische Vernetzung zu organisieren", sagt sie. "Weil jemand einen Film in Afrika gedreht hat, heißt das noch lange nicht, dass er sich langfristig engagiert." Ihre Sätze treffen den Filmer und Mitinitiator Ralf Schmerberg.