Durchregieren auf dem Verordnungsweg: Bei seinem Amtsantritt vor einem Monat hat der französische Premier Dominique de Villepin versprochen, sich ausschließlich um die derzeitige Wirtschaftsschwäche zu kümmern. Ohne Rücksicht auf parlamentarische Verfahren setzt er seitdem Lockerungen des Arbeitsrechts sowie Programme zur Wirtschaftsförderung durch. Mit 1,5 Milliarden Euro, die aus der Privatisierung von Staatsunternehmen stammen, will er in den kommenden drei Jahren neue Kompetenzzentren fördern. 67 Regionen in Frankreich bekommen Geld gemäß ihres Leistungsprofils: Abgabenerleichterungen für wissenschaftliches Personal, Kredite für Firmengründungen und Aufträge von staatlichen Forschungsagenturen. Neben den 15 bereits führenden Technopolen - etwa für Neurobiologie in Evry, Luftfahrt in Toulouse oder Nanotechnologie in Grenoble - sollen auch jüngere Zentren Starthilfe bekommen: Biotechnik im Elsass oder die Erforschung regenerativer Treibstoffe in der Champagne. Zugleich will das Programm mit einem Anteil von 300 Millionen Euro auch den Nachzüglern helfen: In Regionen mit mehr als zehn Prozent Arbeitslosigkeit können Firmen jährlich bis zu tausend Euro Steuernachlass pro Beschäftigten beantragen. Doch allzu große Wachtumserwartungen haben die Franzosen derzeit nicht. Das vorige Regierungsprogramm zur Jobvermehrung, das der Sozialminister Jean-Louis Borloo vor einem Jahr propagierte, hat anstelle der versprochenen hunderttausend neuen Jobs gerade erst knapp tausend gebracht.