Sieger sehen anders aus. Wann immer Klaus-Peter Müller, der Chef der Commerzbank und Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken, dieser Tage auf die öffentlich-rechtliche Konkurrenz angesprochen wird, vergeht ihm das Lachen. Dabei ist der Tag, auf den sein Verband seit mehr als zehn Jahren verbissen hingearbeitet hat, so nah. Am 19. Juli gelten endlich die gleichen Spielregeln für die öffentlichen Landesbanken und Sparkassen auf der einen Seite und den Privatbanken auf der anderen Seite. Keine Staatsgarantie schützt mehr die Bonität der unliebsamen Konkurrenz.

Doch Vorfreude will nicht aufkommen. "Der Wettbewerb bleibt unfair", sagt Müller. Sieger reden anders.

Kein Wunder. Ein Blick auf die Ratings, also auf die von Finanzfachleuten vergebenen Noten für die Banken, zeigt: Die Landesbanken schneiden auch ohne Staatsgarantie besser ab als Commerzbank, Dresdner Bank und Co. Einzig die Deutsche Bank erhält bei zweien der drei Rating-Agenturen etwas höhere Noten als das öffentliche Lager.

"Das haben wir dem Wettbewerb zwischen den Rating-Agenturen zu verdanken", räumt der Chef einer Landesbank offen ein. Werden die mächtigen Rating-Agenturen, die jeden Vorstandschef strammstehen lassen, tatsächlich handzahm, wenn man sie dem Wettbewerb aussetzt?

Die Ratings, kryptische Buchstabenkombinationen wie "AAA" oder "A1", signalisieren den Anlegern am internationalen Anleihemarkt, für wie kreditwürdig die Agenturen die Schuldner halten. Zwei Ratings braucht jedes Unternehmen, und nur zwei Agenturen haben über Jahre den globalen Markt für eben diese Bewertungen dominiert: die US-amerikanischen Standard & Poor’s (S&P) und Moody’s. Doch inzwischen hat sich vor allem in Europa und dort vor allem im Bankensektor eine dritte Agentur etabliert. Ihr Name ist Fitch, und sie kam bei der Bewertung der elf Landesbanken überall zum Zuge. Insofern ist am Rating der Landesbanken zu beobachten, was passiert, wenn es Wettbewerb unter den Rating-Agenturen gibt, und es zeigt sich: Er führt offenbar zu besseren Noten für die bewerteten Unternehmen.

Ratings bestimmen die Zinsen, die die Banken zahlen müssen, wenn sie sich Geld leihen – bei anderen Banken oder am Kapitalmarkt. Die Zinsen wiederum sind die entscheidenden Kosten für jede Bank. Denn noch immer besteht der Großteil des Bankgeschäftes darin, sich Geld zu leihen und es in Form von Krediten weiterzuverleihen. Je schlechter das Rating, desto höher die Zinsen, desto unattraktiver die Konditionen, mit denen die Bank in den Wettbewerb um Kunden zieht.

Wenn die Landesbanken und Sparkassen nicht mehr die Garantie haben, dass notfalls der Staat für ihre Verbindlichkeiten aufkommt, dann verschlechtert sich ihr Rating. Das jedenfalls war das Kalkül der Privatbanken.

Warum aber fallen die Ratings für die öffentlich-rechtlichen Banken noch immer so gut aus?