In diesen Tagen lief auf dem Fernseh-Sender CNN eine aussagekräftige Szene, die im Irak gedreht wurde. Man sieht, wie ein Offizier der US-Army einem irakischen Familienvater auf die Schulter klopft und sagt: "Es ist nicht perfekt! Es ist wirklich nicht perfekt!" Dann macht er eine Pause und fügt mit dröhnender Stimme hinzu: "Aber es wird besser, es wird besser!" Danach lächelt er aufmunternd . Man wüsste nur zu gerne, ob der Iraker diesen Worten Glauben schenkt. Wahrscheinlich nicht, denn die Nachrichten aus dem Irak sind auch in diesen Tagen erschütternd. Alleine an diesem Wochenende forderten Sprengstoffanschläge 150 Todesopfer. Und nicht nur diese Zahl ist erschreckend, es ist auch die Art und Weise wie die Attentate geplant und ausgeführt werden.Der schlimmste Anschlag erreignete sich in der Kleinstadt Mussayib. 90 Menschen hat ein Attentäter mit sich in den Tod gerissen, indem er sich mit seiner Bombe unter einem Tanklastwagen geworfen hatte. Nach den Ermittlungen der Behörden war diese Tat minuziös vorbereitet worden – der Attentäter wollte so viel Menschen wie möglich töten..In dieser Lage machen die Iraker, was alle Menschen tun würden. Sie wenden sich an die eigene Regierung mit der Bitte um Schutz. Das tun sie eigentlich schon seit fast zwei Jahren, und seit fast zwei Jahren müssen sie erfahren, dass die Regierung sie nicht schützen kann – und auch nicht die US-Armee, die mächtigste der Welt.An wen also sollen sich die Iraker wenden? Die Gefahr besteht, dass sie auf den Zentralstaat pfeifen und eigene Milizen bilden, in der Hoffnung, dass diese besseren Schutz bieten. Wenn es so kommt, werden wir bald irakische Kriegsherren sehen, die einander gegenseitig befehden und das Land vollkommen in den Abgrund reißen.