Stendal

Weit ist das Land in der Altmark und hoch der Himmel über ihren endlosen Weizenfeldern. Wie große Käfer kriechen die Mähdrescher unter der heißen Julisonne über die Felder, unermüdlich, immer hin und her. Und ihre Fahrer wissen so gar nichts von Paragraf 29, Nummer 7 der Verwaltungsvorschrift zur deutschen Straßenverkehrsordnung.

So war es jedenfalls bis zum Dienstag der vergangenen Woche. Inzwischen dürfte es in der ganzen Altmark keinen Landwirt geben, der über besagten Paragrafen nicht genaustens im Bilde ist. Fast hätte er einen Bauernaufstand ausgelöst.

In Paragraf 29 der Straßenverkehrsordnung geht es um Schwertransporte, nicht gerade ein heißes Thema im dünn besiedelten Kreis Stendal. Das Problem ist ein Abschnitt, der sich unter Nummer 7 findet und die "polizeiliche Begleitung" von Fahrzeugen mit Überbreite zum Gegenstand hat. "Grundsätzlich", heißt es da, sei eine Blaulichteskorte erforderlich, wenn durch ein Fahrzeug "die Breite über alles von 3,50 Meter überschritten wird".

Besagte Vorschrift stammt aus dem Jahr 2001, aber es sollten vier Jahre ins Land gehen, bis sie in die Hände eines Bauern fiel. Und nur ein solcher konnte sie in ihrer ganzen Tragweite erfassen. Jörg Hellmuth, CDU-Landrat des Kreises Stendal, ist von Haus aus Landwirt. Er weiß, wie breit Mähdrescher sind. Ob nun er selbst die Konsequenz zog oder ob es einer seiner Mitarbeiter war, das ist mittlerweile strittig. Sicher ist: Am Dienstag vergangener Woche ordnete die Kreisverwaltung Stendal Blaulichtbegleitung für alle Mähdrescher an.

Wie sollte der erntewillige Landwirt zu seiner Eskorte kommen? Nun, Paragraf 29 gibt Auskunft: "Sofern eine polizeiliche Begleitung/polizeiliche Maßnahme erforderlich ist, ist der Transport frühzeitig, in der Regel spätestens 48 Stunden vor Fahrtantritt, bei der für den Ausgangsort zuständigen Polizeidienststelle anzumelden."

So sei es, beschloss Landrat Hellmuth.

War das nicht etwas übertrieben?