Eine Hochhaussiedlung irgendwo an der Wiener Peripherie. Auf den ersten Blick sind die einzelnen Wohnblöcke nur durch graublaue Farbstreifen auf der Fassade zu unterscheiden. Hier, am Rande von allem, hat der österreichische Regisseur Götz Spielmann sein klug ausgetüfteltes Tryptichon Antares - Studien der Liebe angesiedelt. Drei miteinander verschränkte Erzählungen über das Begehren und all die unbestimmten Sehnsüchte, die die Protagonisten für eine Weile aus ihrem Parcours alltäglicher Verrichtungen schubsen. Da gibt es die Krankenschwester Eva (Petra Morzé). Eine unauffällige Enddreißigerin, routiniert, freundlich, verlässlich. Nach einem Nachtdienst kreuzt ein vager Bekannter (Andreas Patton) ihren Weg. Die beiden gehen ins Hotel, haben Sex und reden kaum ein Wort. Hin und wieder ein Wunsch, der als Kommando kommt.

Wortlos feuern sie sich an, feiern ihre Schamlosigkeit und stecken Hotelangestellten Geld zu, damit sie zuschauen. Diese Szenen sind so schlicht und nüchtern fotografiert wie die Arbeitsabläufe im Krankenhaus, und doch spüren sie mit stummer Sachlichkeit das Unerhörte auf, das sich gerade zwischen den beiden ereignet. Die zweite Geschichte erzählt von einer jungen Verkäuferin (Susanne Wuest) aus dem Supermarkt des Viertels. Ein blasses, ängstliches und krankhaft eifersüchtiges Geschöpf, das eine Schwangerschaft erfindet, schließlich ein Röhrchen Tabletten schluckt, um ihren Freund (Dennis Cubic) an sich zu binden. Der betrügt sie tatsächlich mit einer Nachbarin, die - und hier beginnt bereits der dritte Teil - von ihrem Exmann, einem Immobilienmakler, brutal schikaniert wird. Ein undeutlicher Schrei reißt einmal einen Riss in die Stille draußen vor der Siedlung und synchronisiert die Erzählstränge. Da sind Eva und ihr Mann Alfred gerade auf dem Weg ins Kino. Sie schauen sich erschrocken an. Es hätte ihr eigener sein können.

Immer wieder entstehen in dem zunehmend komplexeren Geflecht der Erzählungen Freiräume, in denen Spielman uns nichts beweisen will. Ihm geht es nicht um ein weiteres durchgestyltes Stimmungsbild aus der Tristesse zwischen Schrankwänden und Sparkassenkalendern. Spielmann richtet seinen Blick vielmehr auf jenen diffusen Raum zwischen den Menschen, in dem Begehren und Enttäuschung, betonierte Gewohnheiten und die kleinen, trivialen Ausbruchsversuche ein ungemein zerbrechliches Gebilde ergeben. Ein Gebilde, das sich in Antares schließlich wieder in seine symbolische Trutzburg zurückzieht. Denn am Ende taucht die Siedlung wieder ein in die Farben der Dämmerung, der Nacht. Massig, hässlich, funktional und auf seltsame Weise unbezwingbar, eine Festung unerzählter Geschichten.