So ziemlich das Erste, was Angela Merkel ankündigte, nach einer gewonnenen Wahl tun zu wollen: mit dem Atomaussteigen aufhören zu wollen. Das ist ein wenig eigenartig, denn es ist keineswegs die Atompolitik, die das Volk zurzeit am meisten bewegt. Es gab wenig Anzeichen dafür, dass es Angela Merkel entgegenschallte: "Sie müssen uns die Atomkraft wiedergeben!" Im Gegenteil, das Abschalten der ersten Kernkraftwerke ging sehr lautlos vor sich, nirgends las man melancholische Geschichten von nutzlos gewordenen Kühltürmen. Angela Merkel fing mit der Atomkraft an, weil sie deren symbolische Kraft so schätzt. So, wie die Grünen die Atomkraft brauchen, um sich wenigstens bei einem Thema einig zu sein, so braucht Schwarz-Gelb die Atomkraft, damit jeder versteht: "Wir glauben an den Fortschritt! Wir vertrauen unseren Ingenieuren! Wir haben keine Angst!" Diese Botschaften sendet die Atomkraft eigenartigerweise immer noch aus, obwohl das neueste Atomkraftwerk in Deutschland ungefähr so alt ist wie der Opel E-Kadett. Atomkraft gilt als innovativ, denn Wind und Sonne nutzten schon die ersten Menschen. Wenn wir unter Schwarz-Gelb die Waschmaschine anstellen, denken wir nicht an Sonnenkollektoren, sondern wieder mit leicht schlechtem Gewissen an Atomkraftwerke. Kann sein, dass wir deswegen sogar ein bisschen mehr Strom sparen.

Matthias Stolz