Freiburg

Wenn Doktor Uwe Sayer die Schrecken des Raubbaus schildert, der sich mit 500 Stundenkilometern auf der Breite einer sechsspurigen Autobahn durch die Wälder der Welt fräse, verleiht sein spärliches Haupthaar der Furcht vor dem Kahlschlag nahezu körperliche Präsenz. Sayer ist Forstwirt und nicht irgendeiner. Seine Organisation, der 1993 im Anschluss an den UN-Umweltgipfel gegründete Forest Stewardship Council (FSC), ist eine Art Weltforstrat, und dessen deutsche Geschäftsstelle, die Sayer leitet, hat ob ihrer Rührigkeit weit über die Grenzen des Landes Bedeutung erlangt. So groß ist der Einfluss der deutschen Waldschützer, dass die internationale FSC-Zentrale, die man ja auch in New York oder wenigstens in Brüssel hätte vermuten können, mittlerweile in Bonn residiert. Der Pionier des deutschen Waldschutzes aber sitzt in Freiburg.

An diesem Samstag kommt der neue Harry-Potter-Band in die Buchläden, und für Sayer wird das ein großer Augenblick. Denn rein forstwirtschaftlich betrachtet geht es bei dieser Massendrucksache um fast 1500 Tonnen Holz allein für das Papier der deutschen und der britischen Startauflage, und die kommen diesmal aus nachhaltig bewirtschafteten Plantagen in Schweden und Kanada. Wieder 16 Hektar Wald vor dem Kahlschlag bewahrt!

Uwe Sayer mag Holz. Was kann man nicht alles daraus machen! Er ärgert sich über die Fensterrahmen seines Büros, die aus Kunststoff bestehen, eine Folge vertrackter Nebeneffekte des Tropenholzboykotts in den achtziger Jahren. In den Verbraucherländern wurde das Material damals durch noch umweltfeindlichere Produkte wie Kunststoff und Aluminium ersetzt, während die Tropenwälder schneller abgeholzt wurden denn je, um die sinkenden Preise zu kompensieren. Sayer hält wenig von ungezielten Boykottaufrufen - lieber ist ihm der sorgsam austarierte Kompromiss zwischen ökologischen, sozialen und marktwirtschaftlichen Belangen.

Aber warum sitzt ein so wichtiges Lobbyisten-Büro ausgerechnet in Freiburg?

Die Antwort ist typisch für die kleine Universitätsstadt: Erst war es Zufall, und dann ist man irgendwie hängen geblieben.