Die Franzosen warfen bereits im Mittelalter apfelsinengroße Holzkugeln möglichst nah heran an eine kleinere Kugel in Tischtennisballgröße, genannt cochonet – zu deutsch "Schweinchen". Pétanque heißt die Disziplin des Boules-Sports, die der damaligen Spielweise am ähnlichsten ist. Dem Klischee nach prägen in der Ausübung nur alte, in Wahrheit aber auch junge Herren das Bild des Franzosen in seiner Freizeit, in der er sich nicht viel bewegen, aber reichlich gelassen aussehen möchte. Laissez-faire hin oder her, Boules-Sport ist mehr als filterlose Zigarettchen, ein Glas Merlot und ein paar entspannte Würfe auf einem schattigen Platz aus Kieselsteinchen.

Die Sportler aus dem Mutterland des Boules treten auch bei den World Games in Duisburg an. Als Beweis dafür, dass auch Nationen die Kugeln beherrschen, deren Interpretation des Savoir-vivres eher Richtung Currywurst-Pommes geht, verloren die Franzosen gegen das deutsche Team. Ein großes Malheur – doch halb so wild, denn fürs Halbfinale waren sie schon qualifiziert. Dieses gewannen sie später sogar, während Deutschland in der Vorschlussrunde nach dem Match gegen Madagaskar ihre glänzenden Sportgeräte zurück in die Schatulle packen mussten: 13 Mal hatte der Gegner die großen Kugeln näher an das Schweinchen geworfen, als es die deutsche Equipe schaffte.

Hingegen ließen die Franzosen ihren belgischen Nachbarn keine Chance. Ein kleiner Präzisionsschütze, listig wie Asterix, warf immer wieder exakt ans Cochonet . Wagte ein Gegner noch näher dran zu kommen, war sein großer Teamgefährte zur Stelle und schleuderte eine Kugel wie einen Hinkelstein gegen die des Kontrahenten. Im Finale am Mittwoch darf das Team gegen die Madagassen seine Vormachtstellung unter Beweis stellen.

Apropos unter Beweis stellen: Während beim Pétanque viel Taktik im Spiel ist und beim Wurf aus dem Stand weniger Athletik als Konzentration erforderlich ist, stand noch eine zweite Boules-Disziplin auf dem Programm, bei der auch gelaufen werden muss und gar nichts mehr an Mittagspausen- und Feierabendsport erinnert. Lyonnaise heißt diese Variante. In Lyon wollte man scheinbar einst nicht so sanft mit der Zielkugel umgehen. Statt die Wurfgeräte, bei deren Größenangabe man eher eine Pampelmuse als Vergleichsobst heranziehen sollte, möglichst dicht an ein Schweinchen zu kuscheln, schmeißen die Sportler bei der Version Tir-Précision  schicke Kugelformationen auseinander. Beim Tir-Progressif versuchen die Sportler fünf Minuten lang so oft wie es geht einen bestimmten Artgenossen der Wurfkugeln zu treffen.

Gleich neben den Pétanque - und Lyonnaise plätzen wird die italienische Variante Boccia demonstriert. Und zwar – Schreck lass nach – auf einer Holzbahn. Wo bitte sind der Mittelmeersand oder die mit Wasser gefüllten Plastikkugeln, die jeden Sommer neu gekauft werden müssen? Jetzt reicht es aber!