Mit dem 800. Hamburger Hafengeburtstag gelangten die ersten Drachenboote nach Deutschland. Aus Taiwan hatte sich die Hansestadt holzgewordene Mythen zum Feste geladen: Ruderboote in Übergröße, bunt bemalt, mit Drachenköpfen als Gallionsfigürchen und Drachenschwänzen am Hinterteil.

Vor knapp 2.500 Jahren entstand die Drachenboot-Tradition. Als sich damals der chinesische Dichter Qu Yuan verzweifelt und missverstanden im Fluss Mi Luo ertränken wollte, so die verbreitete Sage, sollen sich die ansässigen Fischer mit ihren Booten zur Rettung aufgemacht haben – und jeder wollte der Erste sein. Die Mühen waren vergebens, doch liefert diese Legende den Ursprung des heute wettkampfmäßigen Paddelns. Qu Yuan zu Ehren trafen sich demnach die Fischer alljährlich mit ihren Booten und gedachten dem Poeten mit einem symbolischen Wettrennen. Mit den Jahren verzierten sie ihre kleinen Kähne so wie sie auch heute immer öfter auf internationalen Vergleichen außerhalb Asiens zu sehen sind.

So wie dieser Tage in Duisburg, wo der Sport erstmals bei den World Games vertreten war. Von fernöstlich pompöser Folklore samt Drachenerweckung war auf der Regattabahn zunächst kaum etwas zu spüren. Auf dem ersten Blick erkannte man beim Training nicht, dass im Drachenboot geprobt wird: Weder Kopf noch Schwanz waren anmontiert. Die visuelle Ähnlichkeit zum gängigen Kanusport verflog jedoch beim ersten Stich der Paddel ins Wasser. Die werden nämlich nicht beliebig durch die Fluten gepflügt, sondern traditionsbewusst nach getrommeltem Rhythmus. Allen Mythen zum Trotz haben die Paukenschläge auch einen rein pragmatischen Hintergrund, müssen doch 20 Athleten, die paarweise nebeneinander sitzen, möglichst harmonisch ihre Kraft in Bewegung umsetzen.

Als es auf der 500-Meter-Strecke aber um den Sieg ging, waren die Boote wieder fein hergerichtet. Angetrieben von den Trommlern, die rücklings nahe dem bunten Drachenkopf Platz genommen hatten und auf Kurs gehalten von den hinten sitzenden Steuerleuten, brachten die 12 Paddler und acht Paddlerinnen pro Team – in Duisburg wurde nur die Disziplin "Mixed" ausgetragen – ihre sperrigen Sportgeräte in Schwung. Schub um Schub hechelten die Untierköpfe der Ziellinie näher, die lauten Trommelrhythmen der vier Finalteams überschlugen sich synkopisch und verschwammen in Zielnähe im Applaus der zahlreichen Zuschauer.

Die russischen Athleten waren am besten aufeinander abgestimmt. Sogar zum Jubeln, so schien es, reckten sie die stark beanspruchten Arme synchron empor. Noch ist Drachenbootrennen nur als Einladungssportart bei den World Games dabei, um sich zu präsentieren, und dann auch einmal als offizieller Wettkampssport dabei zu sein. Das könnte schon 2009 der Fall sein. Da finden die Spiele nämlich in Kaohsiung statt - das liegt in Taiwan.