Die Sammler und die Museen sind zum Dauerthema geworden. Nicht zuletzt der Verkauf der Sammlung Grothe (ZEIT Nr. 28/05) hat die Diskussion darüber angefacht, zu welchen Bedingungen privater Kunstbesitz in die Öffentlichkeit gelangt. Doch längst nicht alle Geschäfte zwischen privaten Leihgebern und Museen spielen sich vor aller Augen ab.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge lässt zum Beispiel Thomas Deecke, der Direktor des Neuen Museums Weserburg in Bremen, nun 25 Werke ziehen, darunter solche von Frank Stella und Ed Kienholz. Sie gehören dem Mitgründer des ersten deutschen Sammlermuseums, Reinhard Onnasch. Der hat nach 13 Jahren andere Pläne damit. Auch aus der Hamburger Galerie der Gegenwart hat der Berliner Händler und Sammler seine kapitalen Gemälde der amerikanischen Expressionisten Franz Kline und Barnett Newman abgezogen - und der Sammlung so einige Unwucht zugefügt.

Auch im Neuen Museum Nürnberg kommt es nun zu Verwerfungen. Nach nur drei Jahren verschwindet eine der sperrigsten und damit interessantesten Sammlungen amerikanischer Kunst von den sechziger Jahren an aus den Ausstellungsräumen. Aufgebaut hatte sie der Kölner Galerist Rolf Ricke. Zu ihr gehören rund 200 Werke von Richard Artschwager, Donald Judd, Dan Flavin, Richard Serra und Keith Sonnier, aber auch solche von wichtigen, weniger bekannten Impulsgebern der New Yorker Szene wie Thom Merrick, Matthew McCaslin und Steven Parrino.

Solche radikalen Positionen zu zeigen war für den Galeristen immer auch ein finanzielles Wagnis. Während er mit Nürnberg über eine Dauerleihgabe verhandelte, verkaufte Ricke Teile seiner Sammlung an ein Konsortium, das unter dem Namen Cologne Art Investment Ltd. firmiert. Dazu gewann der Kulturmanager Wolfgang Häusler acht Geldgeber, in deren Namen er dann mit dem Neuen Museum einen Leihvertrag für den Kernteil der Sammlung auf drei Jahre mit einer Option auf Verlängerung abschloss. Als nun über die Verlängerungsoption beraten werden sollte, machten Gerüchte die Runde, dass Häusler auch mit dem Museum für Moderne Kunst in Frankfurt, dem Kunstmuseum St. Gallen und dem Kunstmuseum Liechtenstein über einen Erwerb der Sammlung verhandle. Das verärgerte den Nürnberger Direktor Lucius Grisebach so, dass er die Sammlung Ricke in einer Pressemitteilung seines Hauses als Gegenstand eines Spekulationsgeschäftes bezeichnete und kurzerhand selbst den Leihvertrag zu Ende Oktober kündigte. Sein Museum behält sich zudem vor, pro Tag 1000 Euro Betriebskosten zu berechnen, sollte die Sammlung bis dahin nicht abgezogen worden sein.

Natürlich haben auch wir immer über einen Ankauf der Sammlung Ricke nachgedacht, sagt Grisebach, aber 5,8 Millionen Euro aufzubringen wäre in der vom Konsortium gewährten Zeit nicht möglich gewesen. Zudem schien ihm die Taxierung der Sammlung vonseiten einer Kölner Sachverständigen nicht vertrauenswürdig. Die müsste man noch einmal von einem großen Auktionshaus schätzen lassen, sagt Grisebach.

Wolfgang Häusler dagegen bestreitet, dass es konkrete Verhandlungen mit anderen Museen gegeben habe. Auch Gerüchte über eine Aufteilung und den Verkauf der Sammlung bestreitet er vehement: Für den Markt ist sie überhaupt nicht geeignet. Er verfolge im Sinne des einstigen Sammlers weiter den Plan, das sperrige Gut zusammenzuhalten und langfristig an einem musealen Ort zu etablieren. Das Ziel war von vornherein, die Sammlung Ricke geschlossen an ein Museum zu verkaufen, sagt Häusler. Das habe Grisebach auch genau gewusst.

Der Sammler Rolf Ricke hält sich in der ganzen Diskussion zurück: Bis auf einige Werke, die nach 1990 entstanden sind und die ich dem Neuen Museum privat geliehen habe, gehört mir die Sammlung nicht mehr. Ihm gehe der Wirbel auf die Nerven. In dem Konsortium sitzen keine Spekulanten, und Lucius Grisebach ist ein hoch korrekter Mann. Verträge sind Verträge, wie auch immer man sie anwendet.