Erst lebten sie zusammen, dann führten sie Krieg gegeneinander, nun haben Serben und Kroaten wieder eine Gemeinsamkeit: ihre ungenügende Zusammenarbeit mit dem Haager Kriegsverbrechertribunal. Deshalb hat die EU die Verhandlungen mit Kroatien noch nicht begonnen, und mit Serbien kommen die Gespräche über die Assoziierung nicht voran.

Die Gegnerschaft gegenüber dem Tribunal hat verschiedene Gründe. Die Kroaten sind der Meinung, sie hätten einen Befreiungs- und Verteidigungskrieg geführt. Da es sich um eine gerechte Sache gehandelt habe, habe man auch kein Unrecht begehen können, welches man vor Gericht verantworten müsse. Die aus Kroatien stammende Leipziger Buchpreisträgerin 2005 Slavenka Drakulic meinte dazu spitz: Da Kroatien ein kleines Land sei, müssen entweder viele an Kriegsverbrechen beteiligt oder zumindest Zeugen gewesen sein.

Die meisten Serben wiederum sehen im Haager Kriegsverbrechertribunal eine Institution, die sie nicht nur als Alleinschuldige für die Kriege im ehemaligen Jugoslawien abstempeln will, sondern ihnen auch eine Kollektivschuld aufbürden möchte. Immerhin haben Kroatien und Bosnien-Herzegowina den serbischen Staat vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag wegen Genozid verklagt. Bei einer Verurteilung wären wohl Reparationen fällig, daher ist in Serbien auch zehn Jahre nach den Massakern von Srebrenica der Enthusiasmus gering, die Kriegsverbrecher Mladic und Karadzic zu verhaften. Die beiden könnten vor Gericht Milosevic belasten, zum Beispiel mit der Aussage, dieser habe Einfluss auf die Kriegführung in Bosnien genommen. Damit wäre der Tatbestand der Aggression gegen einen Nachbarstaat gegeben. Doch das Eingeständnis der Armee, dass sie bis 2002 den Aufenthaltsort von Mladic in Belgrad kannte, deutet an, dass die Streitkräfte auf Distanz zum General von Srebrenica gehen.

Die EU steht sowohl bei Kroatien wie bei Serbien vor der Frage: Wie kann das Bewusstsein für eigene Schuld gefördert werden? Durch Isolation und Androhung fortgesetzter Ausgrenzung? Oder durch allmähliche Heranführung an die Europäische Union? Ohne Letzteres wird es auf Dauer nicht gehen.

Danko Alimpic ist Historiker und Publizist in Braunschweig und Belgrad