Er ist gerade einmal zwei Monate im Amt, und schon hat Thomas Middelhoff eine Tradition seiner Vorgänger übernommen – das Überbringen von schlechten Nachrichten. Der Vorstandschef des angeschlagenen Handelskonzerns KarstadtQuelle gestand ein, dass die Sanierung nur schleppend vorankommt und dass man das ursprünglich prognostizierte Ergebnis in diesem Jahr nicht erreichen werde. Schuld sind die Versandhändler Quelle und Neckermann, deren Umsatz kontinuierlich zurückgeht.

Das Sanierungskonzept des neuen Vorstandschefs sollte man trotzdem nicht gleich als gescheitert bezeichnen. Ein derart angeschlagener Konzern lässt sich eben nicht binnen weniger Wochen wieder flott machen – das schafft nicht einmal ein Thomas Middelhoff. Zu groß sind die Probleme, die sich aus der innerlich niemals vollzogenen Fusion von Karstadt und Quelle ergeben haben. Von Synergieeffekten keine Spur, statt dessen werkelten die jeweiligen Zentralen in Essen und Fürth viele Jahre lang nebeneinander her.

Aber das ist es nicht allein. Selbst der beste Sanierungsplan kann keinen Kunden zwingen, bei KarstadtQuelle einzukaufen. Solange die deutschen Verbraucher ihren Konsum einschränken, wird der Handelskonzern weiter leiden. Und Besserung ist nicht in Sicht, sollte eine neue Bundesregierung tatsächlich die Mehrwertsteuer anheben. Dann nämlich hat KarstadtQuelle bloß die Wahl zwischen Pest und Cholera: Entweder schlägt der Handelsriese die höhere Steuer auf seine Preise auf – was die auf Schnäppchen fixierten Konsumenten wahrscheinlich noch stärker abschrecken dürfte. Oder er hält seine Preise konstant und zahlt die Steuererhöhung aus der eigenen Marge. Beide Varianten machen wenig Mut für die Zukunft.