Jetzt rückt also – vorausgesetzt es kommt zu vorgezogenen Neuwahlen – beides näher: Das Linksbündnis der Herren Gysi und Lafontaine und, falls jenes Bündnis bei den Wahlen nicht völlig unter den Tisch fällt, die Möglichkeit einer großen Koalition. Dazu einige Anmerkungen.

Zum Linksbündnis: Immer klarer wird, dass es sich dabei um eine ungeheure Verschleierungsaktion handelt. Womit wir es zu tun bekommen, ist eine umgeschminkte PDS, die auf ihren eigenen Wahllisten Leute von der WASG (und folglich auch Oskar Lafontaine) kandidieren lässt. Aber Programm, Struktur (auch finanzielle Infrastruktur) – das alles kommt von der PDS. Wer noch vor Augen hat, wie Oskar Lafontaine – als er sich 1995 auf dem Mannheimer Parteitag der SPD satzungsdurchbrechend in den Parteivorsitz geputscht hatte – sich bei erstbester Gelegenheit demonstrativ mit Gregor Gysi getroffen hatte, der mag nun sagen: Da wächst zusammen, was zusammengehört! Glücklicherweise aber nicht die ganze SPD mit der PDS, sondern nur noch eine Abspaltung, die die SPD zwar Stimmen kosten kann, aber nicht ihre Moral und Tradition. Wie egozentrisch die neue „Linkspartei“ aufgezogen wurde, lässt sich schon daran ablesen, dass sie im Ergebnis zu einem Ruck nach rechts (oder weiter in die Mitte) der deutschen Regierungspolitik führen muss, also exekutiv zum Gegenteil dessen, was so lauthals auf die Fahnen geschrieben wird. Jedenfalls wird es erst einmal keinen sozialdemokratischen, erst recht keinen „linkeren“ Kanzler geben, sondern eine saubere bürgerliche Mehrheit – oder eben, weil nun auch der populistische Rand auf der Linken (wie auf der Rechten!) abgefischt wird (und zwar gegen das bürgerliche Lager), allenfalls eine große Koalition.

Zur großen Koalition – und sei es nur als Möglichkeit: Ich selber könnte einem solchen Bündnis unter bestimmten sachlichen Voraussetzungen, an denen ich derzeit aber noch zweifle, durchaus etwas abgewinnen. Falls diese Voraussetzungen geschaffen würden, könnte eine solche Kombination sogar das gegenwärtig mögliche Optimum darstellen. Aber ich will hier gar nicht dafür agitieren, sondern mich mit den Vorbehalten auseinandersetzen, die es gegen eine große Koalition mit Vorrang im linken und links-liberalen Lager gibt – genauerhin: mit der Frage, was man denn gegen eine große Koalition tun könnte, sofern man sich Sorgen macht, dass dies die SPD zerreißen könnte, dass dies nichts bringen würde, dass man die denkbaren politischen Resultate (noch mehr Agenda 2010…) nicht verdauen möchte.

Da bleibt nur ein Paradox als Antwort: Wer als Wähler links von der Mitte, als potenzieller Wähler von SPD, Grünen und der neuen „Linkspartei“ ernste Vorbehalte gegen eine große Koalition hegt, der hat nur eine Möglichkeit: Keine Stimme für die eigene Gruppierung, aber jede Stimme für die CDU/CSU, oder, wenn es unbedingt sein muss, für die FDP. Nur so lässt sich eine große Koalition zuverlässig verhindern. So einfach ist das.