Nun gibt es also Die Linkspartei. , vollständig nur mit Artikel, wobei der grammatikalisch ausgesucht originelle Punkt hinter dem Substantiv nicht so verstanden werden darf, als sei das Namensspiel bereits bastamäßig zu Ende. Darauf wies auch der PDS-Vorsitzende Bisky in seiner Parteitagsrede hin: "Der neue Name soll lauten: Die Linkspartei. PDS soll die Zusatzbezeichnung der Bundespartei sein." Hinter dieser wackligen Formulierung stehen der Wunsch der PDS im Osten, nach wie vor unter dem alten Namen anzutreten, sowie das erklärte Interesse des Linksbündnisses WASG, sich mit eben diesen drei Buchstaben keineswegs etwas ans Revers zu heften, das im Westen nicht gerade gut ankommt.

Groß ist die Versuchung, sich darüber lustig zu machen. Aber das Gerangel um den Namen und die Widersprüchlichkeit der Partei sind mitnichten Ausdruck ihrer Schwäche, sondern vielmehr ihres Potenzials . Im Osten kann die PDS nach wie vor – nein: mehr denn je – jene Wähler binden, die sich ausgeschlossen und vernachlässigt fühlen. Gewohnt, dass der Staat sie vor individuellen Risiken und misslichen Lagen bewahrt, mag auch die Gesellschaft als Ganze in die Grütze gehen, vertrauen sie sich einer Partei an, deren Herkunft und Programm nahe legt, dass mit ihr der paternalistische Staat zurückkehrt. Zwar wird auch im Westen der Rückzug des Staates aus der umfassenden Daseinsvorsorge von vielen als Verlust empfunden, doch um ihn zu thematisieren bedarf es anstelle der PDS einer Formation, die dem sozialdemokratischen Gewerkschaftsmilieu entspringt. Mit anderen Worten: Die PDS ist für den Osten und die WASG für den Westen optimiert. Die Vereinigung der beiden Parteien darf aus deren Binnensicht daher nicht so vonstatten gehen, dass ihre Identitäten in der Gemeinsamkeit untergehen.

Noch vor wenigen Monaten hätten solche Fragen nur die Spezialisten interessiert. Doch mittlerweile erzielt die links von der SPD befindliche Formation Umfrageergebnisse, die sie zum politischen Faktor machen . Das weiß sie selbst sehr gut, wie Uli Maurers gestriger Auftritt in Sabine Christiansens Talkshow zeigte. Der ehemalige SPD-Politiker erklärte es zum Wahlziel seiner WASG, die FDP nicht an die Regierung kommen zu lassen. Und das könnte tatsächlich gelingen, wenn nämlich das Linksbündnis bisherige Nichtwähler mobilisiert und es im kommenden Bundestag zu einer Mehrheit links von Union und Freidemokraten käme. Vorausgesetzt, man kann Franz Münteferings Absage an rot-rote Kooperationen vertrauen, wäre eine Große Koalition dann unvermeidlich.

Bleibt die Frage, ob es dem WASG-Flügel der Linkspartei in den kommenden Monaten gelingt, ihren Wählern im Westen den neuen Partner PDS nahezubringen. Das wird nicht immer leicht fallen, denn erstens ist mit heftigen Attacken insbesondere aus dem Unionslager auf die Ex-SED zu rechnen, und zweitens muss die PDS-Führung den geistig Gestrigen unter ihren Mitgliedern immer wieder Gutes tun, um diese im Zustand der Mobilisierung zu halten. Eine Kostprobe davon gab der PDS-Chef Bisky in seiner Parteitagsrede. Er sprach von Zehntausenden, die nach der Umwandlung der SED in die PDS Parteimitglieder geblieben waren: "Sie stellten sich der schmerzhaften Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte, wozu auch das Bekenntnis zu dieser Geschichte gehört." Bekenntnis? Hätte Bisky das Eingeständnis von Schuld gemeint, dann hätte er das auch gesagt, nein: sagen müssen. Doch selbst wenn er es gewollt hätte – angesichts der Mehrheitsverhältnisse an der Parteibasis durfte er es nicht.

Eine Linkspartei in Deutschland, warum nicht. Aber eine, die immer noch verschwiemelt mit der Vergangenheit der kommunistischen Strömung der Linken umgeht: die lieber nicht.