Nur knapp vier Stunden brauchten die Delegierten eines
PDS-Sonderparteitags am Sonntag in Berlin, um ihrem Herzen den
allerletzten Stoß zu geben und die Umbenennung zu billigen. Das
Ergebnis: Die PDS heißt jetzt "Die Linkspartei". Sie ist sozusagen das
Brautgeschenk an die westdeutsche Wahlalternative Arbeit und Soziale
Gerechtigkeit (WASG). Nur unter neuem Namen war diese bereit, gemeinsam
mit der im Westen ungeliebten PDS bei einer vorgezogenen Bundestagswahl
im September anzutreten.
Der Preis ist auch allzu verlockend. Nach der jüngsten Meinungsumfrage
wollen 12 Prozent der Wähler dem neuen Linksbündnis bei einer
Bundestagsneuwahl ihre Stimme geben. "Hier geht es um Geschichte",
beschwor Spitzenkandidat Gregor Gysi die mehr als 300 anwesenden
Delegierten. "Dann machen wir es eben mit ein bisschen Bauchschmerzen."
Der Parteivorsitzende Lothar Bisky gab die Marschrichtung aus: "Die PDS
ist kein Selbstzweck!"
Doch die in wochenlangem Gezerre zwischen beiden Partnern ausgehandelte
Namensänderung wird nicht konsequent durchgehalten. Die Linkspartei
führt als Zusatzbezeichnung "PDS". Alle ostdeutschen Landesverbände
kündigten bereits an, ihr "Markenzeichen" beizubehalten. Und auch die
Bundespartei macht in ihrem frisch gedruckten Wahlprogramm deutlich,
wie sie Wahlkampf betreiben will. Durchgängig ist da von "Die
Linkspartei.PDS" die Rede. Nach der beschlossenen Namensänderung
präsentierte sich das Spitzenteam unter dem Logo "Die Linke.PDS - für
eine neue soziale Idee."
Insgesamt brauchte die SED-Nachfolgepartei für ihre Metamorphose zur
Hoffnungsträgerin einer Linken jenseits von Sozialdemokraten und Grünen
nur gute sechs Wochen. Nach der verheerenden SPD-Niederlage bei der
Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen Ende Mai schlug die Geburtsstunde
des Linksbündnisses mit der WASG. Zum Geburtshelfer wurde der ehemalige
SPD-Vorsitzende Oskar Lafontaine, der sich selbst als Spitzenkandidat
eines Zusammenschlusses anbot.
Und Gysi. Er drängte seine Partei, die alte Ost-Identität zu erweitern.
Schon 1989/90 war Gysi Wegbereiter gewesen, als es darum ging, die
desavouierte DDR-Staatspartei SED in das wiedervereinigte Deutschland
zu führen.
Die Kritiker waren am Sonntag in der Minderheit. Nur die
obligatorischen Nein-Sager von der Kommunistischen Plattform um
Frontfrau Sahra Wagenknecht versuchten, den Gang der Dinge mit einem
Gegenantrag noch aufzuhalten. Bleibe das Kürzel PDS nicht fester
Namenbestandteil, sei absehbar, "dass es die PDS in der öffentlichen
Wahrnehmung nicht mehr geben wird", befürchtete Wagenknecht.
Doch Gysi beruhigte die Zweifler. "Wir sind die Kernkraft einer neuen
Linken", ermunterte er die Delegierten zu Selbstbewusstsein. Man habe
die historische Chance, erstmals seit 1945 eine starke Partei links von
der SPD zu etablieren. Allein habe die PDS dies wegen ihrer mangelnden
Verankerung im Westen nicht geschafft. Jetzt spiele der Osten die
größere Rolle - 60 000 PDS-Mitglieder stehen knapp 8000
WASG-Mitgliedern gegenüber. Gysi: "Wir sollten stolz darauf sein und
nicht vor uns hinmäkeln."
linke: Die Metamorphose der PDS zur Linkspartei
"Wir sind die Kernkraft einer neuen Linken", ermunterte Gregor Gysi die Delegierten des PDS-Sonderparteitags