Vor dem Berliner Reichstag ist am Freitagabend ein Ultraleichtflieger abgestürzt. Augenzeugen zufolge fiel er aus fast 300 Metern Höhe senkrecht auf die Erde. Das Fluggerät fing Feuer und der Pilot kam ums Leben. Die Ursache sei unbekannt, ein tragischer Unfall, sagt die Polizei. Und doch spürt man das Unbehagen. Was macht ein Ultraleichtflugzeug um halb neun abends in der Berliner Luft? Und vor allem: Was macht es in solch unmittelbarer Nähe zum Reichstag? Der Absturz ereignete sich auf einer Wiese vor dem Eingang zur Reichstagskuppel, genau zwischen dem Sitz des Bundestags und dem Bundeskanzleramt.

Auch nach den Anschlägen in London am 7. Juli und nach den Anschlägen in London am 21. Juli hieß es zunächst: ein Unfall. Nichts weiter als ein Zwischenfall. Wenig später wussten wir, dass es anders war.

Und es erinnert an den Fall des Piloten, der über der Frankfurter City kreiste und nur nach Einsatz der Bundeswehr zur Landung gezwungen werden konnte. Die Tat eines Einzelnen, Verwirrten. Doch auch damals, nach den Anschlägen des 11. September, herrschte ein Klima der Aufregung. Und dieser unpolitische Einzelfall führte immerhin dazu, dass die Bestimmungen für den Luftverkehr über Frankfurt nicht nur heftig diskutiert wurden, sondern letztlich auch verschärft.

Womöglich werden wir jetzt eine ähnliche Diskussion um den Luftraum über Berlin erleben, über den Schutz des Bundestags und des Regierungsbezirks. Ganz sicher wird überlegt werden, wie man denn zu reagieren hat, wenn es nicht ein unglücklicher Hobbypilot ist, der da abends über dem Reichstag kreist.

Bislang heißt es nach wie vor, es sei ein Unfall - tragisch für die Hinterbliebenen, denen wir unser Beileid aussprechen. Dieser Wunsch bleibt bei uns anderen: Dass es ein Unfall gewesen sein möge. Der Kontext des Terrors wird aus ihm so und so ein politisches Ereignis machen.