Bundespräsident Horst Köhler hat am Donnerstagabend den Bundestag aufgelöst und Neuwahlen für den 18. September angesetzt. Köhler begründete seine Entscheidung in einer Fernsehansprache mit der Lage des Landes: "In dieser ernsten Situation braucht unser Land eine Regierung, die sich auf eine handlungsfähige Mehrheit berufen kann." Der Bundeskanzler habe gezeigt, dass er keine stetige Mehrheit für seine Politik im Bundestag mehr sehe. Er habe auch dargelegt, dass er Loyalitätsbekundungen aus der Koalition nicht für tragfähig halte.

Köhler ging auch auf die Kritiker des Verfahren ein, mithilfe einer Vertrauensfrage Neuwahlen herbeizuführen. Das Grundgesetz ermögliche es dem Kanzler durchaus, durch eine Vertrauensfrage vorgezogene Wahlen herbeizuführen. Köhler sagte, er habe die Begründung des Kanzlers eingehend geprüft und komme zu dem Ergebnis, dass es keine anderen Einschätzungen der Lage gebe, die stark gegen die Sichtweise des Kanzlers sprächen. Er habe Respekt für die Kritik. Aber dem Wohl des Volkes sei durch eine Neuwahl am besten gedient.

Bundeskanzler Gerhard Schröder begrüßte die Entscheidung des Bundespräsidenten. Er kündigte an, dass er bei den Wahlen abermals antreten werde, um die Reformpolitik seiner Regierung fortzusetzen.