Zwei Wochen nach den Selbstmordanschlägen von London sind in der U-Bahn der britischen Hauptstadt abermals Bomben explodiert. Die britische Polizei bestätigte, dass in drei U-Bahnen und einem Bus Sprengsätze detonierten. "Es hat aber den Anschein, dass die Bomben diesmal kleiner waren", sagte der Polizeichef der britischen Hauptstadt, Sir Ian Blair. Die Zahl der Verletzten sei gering.

Dennoch forderte der Polizeichef die Bevölkerung zu größter Vorsicht auf. "Bleiben Sie, wo Sie sind", appellierte er an die Bürger. Es handele sich um einen "sehr schwerwiegenden Zwischenfall". Auch das Regierungsviertel Whitehall im Herzen der Stadt wurde kurzzeitig abgesperrt. Dort gab es am Nachmittag einen lauten Knall. Anschließend nahm die Polizei in der Nähe der Downing Street einen Mann fest. Ein weiterer Verdächtiger soll ebenfalls im Regierungsvirtel gefasst worden sein.

Scotland Yard fand nach eigenen Angaben nach den Detonationen "keine Spuren chemischer Substanzen". Die Bomben seien anscheinend "recht konventionell" gewesen, sagte der Polizeichef. "Das sind kleinere Sprengsätze, von denen einige nicht richtig losgegangen sind." Die Bomben seien aber fast gleichzeitig explodiert.
Bei den schwachen Detonationen wurde möglicherweise einer der Täter verletzt. Dies berichtete der Rundfunksender BBC unter Berufung auf Polizeiquellen. Dafür sprach nach Medienberichten auch, dass das Krankenhaus, in das der Verletzte gebracht wurde, anschließend von der Polizei abgesperrt wurde.

Premierminister Tony Blair sagte kurz nach den Anschlägen, die Täter wollten die britische Öffentlichkeit in Angst und Schrecken versetzen. "Wir können dies nicht herunterspielen. Es ist sehr ernst." Blair forderte die Briten auf, wie in der Vergangenheit mit der bekannten Ruhe, Würde und Entschlossenheit zu reagieren. Das Ziel der Attentäter sei genau, die Leute einzuschüchtern. "Wir wollen so schnell wie möglich zur Normalität zurückzukehren", sagte der Premierminister.
Blair wies zurück, dass die terroritischen Anschläge in London mit der britischen Politik im Irak zu tun haben. Den internationalen Terrorismus gebe es schon seit über zehn Jahren. Und es gehe jetzt darum, die Perversion des Islam zu bekämpfen.

Kurz nach den Explosionen waren Rettungskräfte zu den Stationen Warren Street, Oval und Shepherd's Bush gerufen worden. Der Verkehr der Linien Northern und Victoria Line wurde aus Sicherheitsgründen eingestellt.

Die Verkehrsbetriebe hätten anschließend den so genannten code amber ausgelöst, eine Anweisung, nach der alle U-Bahnen in der nächtmöglichen Station halten sollen, berichtete der Nachrichtensender Sky News . Dies wurde von den Behörden jedoch dementiert. Auch die Londoner Börse wurde geschlossen.

Aus einem der U-Bahn-Züge soll Rauch gequollen sein. Fahrgäste liefen in Panik aus den Bahnhöfen, berichtete ein Augenzeuge. Ein weiterer Zeuge sagte, dass ein Rucksack explodiert sei. Die Nachrichtenagentur Reuters erfuhr aus Kreisen des Londoner U-Bahn-Betreibers, dass eine Nagelbombe detonierte. Der Bus, in dem ebenfalls eine Bombe explodiert sein soll, war auf der Strecke der Linie 26 unterwegs, offenbar in der Hackney Road im Osten der Stadt.