Wenig im Leben eines Menschen wird so unterschätzt wie seine Beziehung zu Platten aller Art. Sie begleiten unseren Alltag. Früher waren es Schall-, heute sind es Festplatten, abends Platitüden bei Sabine Christiansen und, ja, leider auch platte Witze. Die hat es seit Entdeckung der Flunder übrigens immer schon gegeben, aber das nur am Rande. Bis einem einfällt, was man mit einer Platte eigentlich tun soll, kann es ziemlich lange dauern - so wie bei den Plattenbauten in Ostdeutschland. In der vergangenen Woche, immerhin rund 15 Jahre nach der Wiedervereinigung, präsentierte das Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen eine Idee, auf die man schon viel früher hätte kommen können. Frei nach dem Motto: In die Vorstadt eingemauert, steht die Platte hart am Wind. Warum hat's so lang gedauert, oh mein Gott, wie war'n wir blind.

Konkret empfiehlt das Ministerium: Da in der Platte ohnehin niemand mehr wohnen will, könne man sie doch gleich abreißen und mit den so gewonnenen Plattenteilen kleine Reihenhäuser errichten - Einfamilienplatten sozusagen.

Unterkünfte aus recycelten Wohnsilos wären 20 Prozent billiger als konventionelle Bauten, somit sei der ganze Plan äußerst nachhaltig und Plattenbau kein negativ besetzter Begriff mehr. Das mag schon sein, aber mal ganz ehrlich: Da sucht wohl jemand nach einem Argument, um die Eigenheimzulage plattzumachen. Oder?