Istanbul ist in - und das nicht nur im Kino, wo Fatih Akin mit Crossing The Bridge den aktuellen Sound der 10-Millionen-Metropole dokumentiert. Nach Karlsruhe hat nun auch Berlin mit Urbanen Realitäten - Fokus Istanbul im Gropius-Bau (bis zum 9. Oktober) seine Trend-Show, die sich als internationale Ausstellung relevanter zeitgenössischer Kunst versteht, dies aber nur in Teilen ist. Ara Gülers pittoreske Stadtansichten in Schwarzweiß wirken in diesem Kontext so deplaziert wie Ali Kepeneks schrille, mit neongrellem Klebeband an den Wänden befestigte Szenen aus dem Nachtleben der transsexuellen Boheme. Ebenfalls überraschen in hippem Design präsentierte Ergebnisse urbanistischer Studien, und manche Videoinstallation wäre bestimmt besser in einer Kreuzberger Underground-Galerie wie West Germany am Kottbusser Tor aufgehoben. Was noch an zeichenhaften Eindeutigkeiten bleibt, wird von der Post-Kippenberger-Generation im Gothic-Heavy-Metal-Stil zerlegt oder im Sinne der werbe- und logokritischen Fraktion wie gewohnt verfremdet.

Überzeugender sind Arbeiten, die Abwesendes oder gern Verdrängtes repräsentieren: Den kurdischen Konflikt (Peter Friedl) oder den Mord an den Armeniern (Silvina Der-Meguerditchian). Konkret abwesend sind übrigens auch einige der eingeladenen Künstler aus der Türkei, denen neben mangelnden Spesen und kuratorischen Entscheidungen auch ihre Einladung als türkische Künstler suspekt war. Ihre Arbeiten sind nun stattdessen in einer von Vasif Kortun kuratierten Biennale zu sehen, die im September beginnt und in Istanbul stattfindet.