Geiselwind

Himmel und Hölle treffen sich dieses Wochenende in Unterfranken, genauer gesagt an der A 3, Ausfahrt 76, auf der Autobahnraststätte Geiselwind. Die Hölle schickt Die apokalyptischen Reiter, Overkill, Children of Bodom und Manowar - Heavy-Metal-Bands, deren Anhänger Tod und Teufel auf ihren Kutten tragen.

Der Himmel dagegen ist in Geiselwind zu Hause: Der Herr der größten Autobahnraststätte Deutschlands, Anton Strohofer, liest täglich in der Heiligen Schrift und hat sich neben seine Tanksäulen eine Autobahnkirche gebaut, samt Kreuz aus Neonröhren am Glockenturm. Er hat die Hölle zu sich eingeladen, zum Earthshaker-Festival, einem der größten Heavy-Metal-Treffen hierzulande - mit der herzlichen Bitte, den Blick doch auf ein Kruzifix zu richten und zu beten, dass dieses Festival mit Gottes Schutz und Segen über die Bühne geht.

Der 65-Jährige Katholik liebt und lebt die Widersprüche: berechnender, millionenschwerer Geschäftsmann, aber erklärter Freund des einfachen Mannes, der hart arbeitet - erzkonservativer, traditionsbewusster Franke mit fünf Kindern und 18 Enkelkindern, aber unter Motorradrockern beliebter Gastgeber - strenggläubiger Christ, aber Vertrauter von Heavy-Metal-Bands, die ihn Godfather nennen.

Strohofer hat damit keine Probleme. Er hat zu allem eine Meinung, vom Dosenpfand bis zum Kyoto-Protokoll, immer auch gleich eine Lösung und vor allem keine Scheu, wenn es um Geschäfte geht - und sei es mit Heavy Metal.

Ich bin Unternehmer, nicht Unterlasser, lautet sein Motto. Ich verdiene gerne Geld, und ich gebe es gerne aus. Gerade in dieser Zeit der Krise wünscht er sich mehr von seiner Sorte: Wenn das jeder täte, dann hätten wir wieder blühende Landschaften.