Ein heißer Morgen in Berlin, Bahnhof Zoo, deutsche Elendskulisse seit Christiane F., durchgewischt und aufgemöbelt in den letzten Jahren, die Wartehalle umstellt von Espressobars, Krawattenläden, Bodyshops - Rucksackreisende und Rollkoffer-Eilende unterwegs nach Hamburg, Stuttgart, München, jeder geschäftig, jeder unverzichtbar, Handelsblatt, Spiegel, FAZ unterm Arm und darin das große Thema: Was wird aus diesem Land? Wie kurbeln wir die Wirtschaft wieder an? Spitzensteuersatz rauf oder runter? Sorglose, in deren Leben Armut bislang nur Medienschauder ist, mag der Mann in den Sandalen denken, der ihnen eine kurze Frage in den Weg legt: Interesse am Straßenfeger, der Obdachlosenzeitung? - Keine Zeit ... keine Zeit ... keine Zeit. Sie lassen ihn an ihrer Geschäftigkeit abperlen. Wer heute Zeit hat, ist verloren!

Der Verkäufer sucht einen Ruhepol in all dem Streben. Sieht den Mann am Nordsee-Tresen, gemächlich einen Kaffee schlürfend. Interesse am Straßenfeger, der Obdachlosenzeitung? Der Kaffeetrinker sagt: Nein.

Tschuldigung. - Wenigstens eine Spende? - Der Mann mit Kaffee sagt sehr leise: Mann ey, ich bin selber arm.