Anita Limbecker aus Plauen wirft ihrem Mann einen fragenden Blick zu. Aber der weiß auch nicht genau, was das hier soll. Sie stehen, so viel ist sicher, vor der höchsten freischwebenden Halle der Welt, einem Themenpark mitten in Brandenburg, der sich Tropical Island nennt.

Es heißt, man habe Schwierigkeiten, die riesigen Gebäude mit Kunden zu füllen, die sich mehr leisten als eine Cola am Nachmittag. Das sei der Hauptgrund für die 3,5 Millionen Verluste im Geschäftsquartal bis Ende April, schrieb der Spiegel.

Ursprünglich sollten hier Fracht-Zeppeline gebaut werden. Daraus wurde nichts, und am Ende waren die Brandenburger froh, dass der malaysische Geschäftsmann Colin Au die Halle zu einem Spottpreis übernahm, um eine Südseelandschaft hineinzubauen. Mit Meer, Massage und Mangroven-Sümpfen.

Seine Geschäftsidee basierte darauf, dass die Deutschen insgeheim nach feuchter Hitze lechzen. Am Anfang taten sie das auch: Einen Tag vor Silvester war es in Tropical Island so voll, dass die Polizei bei Starkow die Autobahnausfahrt sperren musste, damit nicht noch mehr Leute in den künstlichen Sommer flohen. Frau Limbecker schaut auf die Preistafel. 20 Euro am Tag. Der Enkel zahlt die Hälfte. Wenn er erst vier wäre, käme er umsonst rein. Aber da kann man nichts machen.

Ich sage unseren Kunden immer, sie sollten sich den Aufenthalt in Tropical Island wie eine Kreuzfahrt vorstellen, sagt Kathrin Schaffner, die Pressesprecherin. Man schnuppert ein bisschen von der Fremde und liegt den Rest der Zeit auf dem Sonnendeck herum. Seitdem vor ein paar Monaten ein Streifen der stählernen Außenhaut durch Plexiglas ersetzt wurde und ein wenig Tageslicht in die künstlichen Tropen fällt, wird man sogar braun. Und der Regenwald wachse auch viel besser. Einzelne Stauden hätten sogar angefangen zu blühen.

Klaus Peter Limbecker gefällt das Meer am besten, die Wassertemperatur sei einfach perfekt. Es stört ihn nicht, dass die Minisüdsee an einer grauen Leinwand endet, auf die nach Sonnenuntergang karibische Genrebilder projiziert werden, und dass der Himmel über Tropical Island größtenteils immer noch aus Wellblech ist. In der Realität kommen wir sowieso nie nach Samoa, sagt seine Frau. Außerdem haben wir hier alles beieinander: ein bisschen Hawaii, ein bisschen Tahiti, ein paar Strohbuden, aber garantiert kein Regen. Und sauber isses, findet Klaus Peter Limbecker. Sicher, sagt seine Frau. Ihr ist es immer noch zu teuer. Sie besteht darauf, dass heute Mittag die Stullen gegessen werden, die sie geschmiert hat. Wenn du wieder einen Job hast, gehen wir auch wieder ins Restaurant. Dann schaffen sie es vielleicht auch in die richtige Karibik. Ob es ihnen dann genauso gut gefällt?